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Cluster Porzellan- und Keramikindustrie (P&K) minimieren 

Gliederung des Clusters
  • Porzellanhersteller und -veredler
  • Technische Keramik – Hersteller
  • Ateliers, Werkstätten und Galerien
  • Zulieferer - Rohstoffe
  • Zulieferer – Maschinen, Anlagen, Werkzeuge
  • Zulieferer und Dienstleister – Sonstige
  • unterstützende Einrichtungen

 Produkte des Clusters

  • Haushaltsporzellan
  • Hotel- und Systemporzellan
  • technische Keramik

Leitbetriebe

  • Arzberg, Rosenthal, Seltmann
  • BHS tabletop
  • CeramTec, Stelco
  • zahlreiche Manufakturen, Werkstätten und Ateliers

 Geographische Schwerpunkte

  •  sowohl bei Porzellan als auch Techischer Keramik: starke Konzentration in der nördlichen Oberpfalz und in Teilen Oberfrankens
  • "Porzellanstädte" Selb und Weiden

 

Die folgenden Angaben beziehen sich auf das Teilcluster Porzellan:

Struktur des Clusters

  • wesentliche Strukturmerkmale eines traditionsreichen Clusters in der Region vorhanden
  • zahlreiche weltbekannte Marken werden in der Region entwickelt und hergestellt
  • neben Herstellern finden sich Verarbeiter, Zulieferer von Anlagen, Rohstoffen und clusterspezifischen Leistungen und anderen speziellen Produkten und Dienstleistungen
  • zahlreiche Firmen wurden in den 50er Jahren gegründet, auffällig ist außerdem die hohe Zahl an jüngeren Ausgründungen aus diesen Unternehmen
  • Existenz clusterspezifischer Ausbildungseinrichtungen sowie Sitz des Verbands der Keramischen Industrie in der Region
  • hohes Know-How im Umgang mit dem Werkstoff Porzellan
  • keine ausgeprägte Hierarchie der Zulieferbeziehungen
  • in Teilmärkten besteht ein hoher Wettbewerbsdruck

 Kooperationen

  •  Forschungsprojekt FORKERAM
  • High-Tech Initiative der nordostbayerischen feinkeramischen Industrie
  • manche Unternehmen helfen sich gegenseitig bei Kapazitätsengpässen aus
  • gemeinsame Marketing-Initiative über den "gedeckten Tisch"
Entwicklungstendenzen bei Porzellan
  • Strukturbereinigung noch nicht abgeschlossen
  • häufiger Wechsel der Eigentümer von Marken
  • wachsende Chancen durch Nischenprodukte
  • durch verstärkte Investitionen in neue Technologien konnten Hersteller Kosten teilweise erheblich senken – gute Voraussetzungen für zukünftigen Wettbewerb
  • Feinkeramik unterliegt einem starken Strukturwandel mit einer tendenziellen Schrumpfung des Marktes für die regionalen Produzenten in den neunziger Jahren - durch die Grenzöffnung zum Osten hat sich der Anpassungsbedarf noch erhöht
  • wegen des Strukturwandels Nachwuchssorgen bei qualifizierten Arbeitskräften
 
Clusterrelevante Links
 
Verband der Keramischen Industrie: www.keramverbaende.de
 
BayDat - Das Transferportal der bayerischen Universitäten und Hochschulen: www.baydat.de
 
 
Detailinformationen Struktur des Clusters Porzellanindustrie

Die Porzellanindustrie prägt die nördliche Oberpfalz und Teile Oberfrankens. Die "Porzellanstädte" Selb und Weiden sind – neben Orten in Thüringen und Sachsen – die Zentren dieses Wirtschaftszweiges. Hier haben zahlreiche international bekannte Porzellanhersteller, viele schon seit dem 19. Jahrhundert, ihren Sitz. Einige dieser Unternehmen dominieren die Branche weltweit. Zulieferer aller Art, wie Buntdrucker für Dekore, Porzellanmaler und -bedrucker, Maschinenbauer, Analyselabors und Rohstofflieferanten mit Gemengeaufbereitung befinden sich in unmittelbarer Nähe. Stark konzentriert in der Region sind ebenfalls die Massemühlen, die die Rohstoffe zu den Porzellanmassen veredeln. Zudem gibt es den Verband der Keramischen Industrie, die Porzellanfachschule, die Agentur für neue Initiativen im Strukturwandel, mehrere Museen und die Porzellanstraße.

Im wesentlichen lassen sich die Haupterzeugnisgruppen Geschirrkeramik, Baukeramik, Ofenkacheln und technische Keramik unterscheiden. In der Untersuchung erfolgte eine Konzentration auf den Bereich Geschirrkeramik, der sich wiederum in Haushalts- bzw. Hotel- und Systemporzellan unterscheiden lässt. Dabei sieht sich die Erzeugnisgruppe Hotel- und Systemporzellan offenbar weniger gravierenden Strukturproblemen gegenüber als das Haushaltsporzellan. Viele der hier ansässigen Unternehmen bedienen beide Märkte.

Die Firmen, die zum Teil auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken, sind typischerweise in Familienbesitz. Die Akteure beobachten sich, halten aber meist kritische Distanz zueinander. In nicht wenigen Fällen konkurrieren sie auf den gleichen Märkten, was die Neigung zur Abschottung erklärt und große Hürden für die Zusammenarbeit bedeutet. Dies war auch bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Fall, als die Branche noch insgesamt expandierte und eine positive Gewinnsituation vorherrschte. Seither hat sich die Lage drastisch verschlechtert. Das letzte Jahrzehnt brachten Preiseinbrüche von über 30 Prozent mit sich, gemessen an der Beschäftigung und der Produktion hat sich der Porzellanbereich in den neunziger Jahren in etwa halbiert. Ob die Talsohle bereits erreicht ist, ist unter den befragten Experten strittig. Als Hoffnungsschimmer hat es im Jahr 2000 nach acht Jahren mit zurückgehenden Umsätzen wieder eine leichte Erholung gegeben, die allerdings rein auf gestiegener Auslandsnachfrage beruht. Diese positive Entwicklung wurde durch die Terroranschläge Ende des Jahres 2001 wieder unterbrochen. Aufgrund der Ereignisse ist nicht nur die Nachfrage nach Porzellan in einem der Hauptexportländer USA gesunken, es wurden auch Aufträge storniert.
 
Geschirr- und Zierkeramik in Oberfranken und der Oberpfalz - Zahlen für die neunziger Jahre
(Quelle: Verband der Keramischen Industrie)
Produktion (Tonnen): -48%
Beschäftigte: -52%
Gesamtumsatz: -33%
Inlandsumsatz: -30%
Export: -38%
Aus diesen Zahlen geht hervor, dass in den Jahren von 1990 bis 1999 die Produktionsmengen bei der Geschirr- und Zierkeramik in Oberfranken und der Oberpfalz ebenso wie die Beschäftigung deutlich stärker gesunken sind als der Umsatz. Dies bedeutet zum einen, dass tendenziell Produkte mit höherer Qualität hergestellt werden. Zum anderen werden in den Produktionsprozess weniger Arbeitskräfte eingesetzt, was in der Tendenz darauf hinweist, dass durch einen erhöhten Automatisierungsgrad die Personalkosten gedrückt werden, sie liegen im Schnitt inzwischen unter 50 Prozent.
 
Folgen des Strukturwandels 

Das durch den Strukturwandel entstandene negative Image des Wirtschaftszweiges wirkt sich nicht nur auf die Kunden und Banken als Kapitalgeber aus, sondern auf die gesamte Region. Fast jede der dem Porzellanbereich verbundenen Familien wurde von Entlassungen betroffen. In manchen Städten, die bis in die achtziger Jahre hinein als "Porzellanstädte" galten, wurden alle Porzellanfabriken geschlossen.

Dieses negative Image des Porzellans hält sich nach wie vor hartnäckig, weswegen kaum mehr junge Leute aus der Region in diesem Wirtschaftszweig arbeiten wollen. Dazu gesellt sich eine Zurückhaltung der Unternehmen, entsprechende Ausbildungen anzubieten. Die Porzellanfachschule bildet unter anderem Modelleure aus, die allerdings unter anderem auch für die Automobilindustrie interessant sind und nun bevorzugt dort arbeiten. Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass das Lohnniveau im Porzellanbereich niedriger als in anderen Industriezweigen ist. Die Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter, die einmal in einen anderen Bereich gewechselt sind, kaum für die Porzellanbranche zurückgewonnen werden können. Schon jetzt macht sich ein Facharbeitermangel bemerkbar, der sich nach Expertenmeinung in den kommenden Jahren noch verstärken wird.

Zu betonen ist jedoch, dass die Arbeitsplätze der qualifizierten Facharbeiter auch in Krisenzeiten relativ sicher waren. Entlassungen betrafen in erster Linie angelernte Kräfte und Frauen in der Produktion, die mit einem Anteil von mehr als 75 Prozent allerdings den Großteil der Beschäftigten stellten. Da sich diese Gruppen durch starke Ortsgebundenheit und wenig Flexibilität auszeichnet, sind die Arbeitsmarktwirkungen in diesem Bereich nachhaltig spürbar.
 
Spezialisierte Arbeitskräfte 

Ein reiches Fach- und Spezialwissen ist in der Region konzentriert. Die Industriekultur im Porzellanbereich hat eine lange Tradition, in Porzelliner-Familien ist oftmals bereits die dritte Generation in diesem Wirtschaftszweig beschäftigt. Zum Teil wird das Wissen in den Familien weitergegeben. Der hohe Sachverstand und die Motivation der Arbeitnehmer drückt sich auch in einem hohen Qualitätsbewusstsein aus. Beispielsweise ist es keine Seltenheit, dass die Beschäftigten auf Fehler in der Produktion oder in den Abläufen aufmerksam machen, so dass wenig Nacharbeit erforderlich ist und die Prozesse verbessert werden können. Dieses verantwortliche Verhalten ist an anderen Produktionsstandorten weitaus weniger ausgeprägt. Generell lässt sich sagen, dass die Beschäftigten in der Region große Erfahrung in der industriellen Produktion aufweisen und für den Einsatz auch in anderen Industriezweigen die besten Voraussetzungen haben.

Die im Vergleich zu anderen Porzellanstandorten relativ hohen Löhne werden durch die hohe Qualifikation, Motivation und Erfahrung der Arbeitskräfte wettgemacht. Berufserfahrung gilt insbesondere auf der Meisterebene als ein wichtiges Kriterium. Noch verfügt die Region über ein hohes Potenzial in diesem Bereich.

Der Trend zur Qualifizierung ist - wie in zahlreichen Wirtschaftszweigen - in der Porzellanbranche deutlich sichtbar. Während in den achtziger Jahren das Verhältnis zwischen Qualifizierten und Angelernten noch etwa 20 zu 80 betrug, geht die Tendenz heute dahin, dass beide Gruppen etwa zu gleichen Teilen eingesetzt werden. Zwei Gründe sind hierfür ausschlaggebend: Zum einen sind angelernte Kräfte in der Regel nur auf einen Arbeitsgang spezialisiert und weniger flexibel auch für andere Tätigkeiten einsetzbar. Zum anderen ergibt sich durch die zunehmende Mechanisierung der Produktion ein erhöhter Qualifikationsbedarf.

Mit dem generellen Qualifizierungstrend geht eine zunehmende Ausdifferenzierung der Qualifikationen einher. Dies ist ablesbar an der Vielzahl der Lehrberufe, die im Porzellanbereich relevant sind. Bereits in den fünfziger Jahren wurden etwa die speziellen Berufsbilder Porzellanhandwerker, Dreher, Porzellanmaler, Dekorateur und Modelleur geschaffen, während heute auch insbesondere Elektroniker, Wärmetechniker und Informatiker gefragt sind. Durch die fortschreitende Automatisierung und abnehmende Handarbeit geht die Bedeutung der handwerklichen Berufe wie Maler und Dreher tendenziell zurück. Prototypen und Vorproduktserien werden zunehmend auf der Basis von CAD und CAM erstellt, auch für Dekorentwürfe wird der Computer eingesetzt. Die Nachfrage nach Informatikern wird ebenfalls durch die wachsende Bedeutung des eCommerce im Porzellanvertrieb steigen.

Das in der Region vorhandene Spezialwissen umfasst auch die Herstellung und Beherrschung hochspezieller Anlagen, die die Porzellanrohmasse – ein Material, das durch seine besonderen Eigenschaften (hochviskos, abrasiv) hohe Anforderungen an die Produktionsanlagen stellt – verarbeiten können. Hier verzahnt sich Maschinenbauwissen mit Keramikwissen. Entsprechend spezialisierte Ingenieure gibt es außer in der Untersuchungsregion nur in Großbritannien sowie – allerdings im Bereich der Grobkeramik – in Oberitalien. Eine Spezialausbildung wird hierfür nicht angeboten, dadurch sind junge Maschinenbauer im Keramikbereich selten.
 
Neue Technologien 

Bei den keramikverarbeitenden Maschinen gilt die Innovationsrate als vergleichsweise gering. Eine umfassende Weiterentwicklung der Anlagen im Produktionsprozess ist allerdings beim Handling zu beobachten, bei dem zwischen Flachware (z.B. Teller) und Hohlware (z.B. Tassen und Kannen) unterschieden werden muss. Während das Umsetzen der Flachware zwischen den verschiedenen Bearbeitungsstufen stark automatisiert werden konnte, sind die Hersteller von Hohlware weiterhin weitgehend auf Handarbeit in diesem Bereich angewiesen. Hier werden Rationalisierungsmöglichkeiten gesehen.

Neuerungen haben sich in den vergangenen Jahren ebenfalls bei den Öfen ergeben. Die traditionell eingesetzten Rundöfen wurden weitgehend durch Tunnelöfen ersetzt. Dadurch wurden die Brennzeiten des Porzellans sukzessive von 40 Stunden auf sechs Stunden verkürzt. Technische Schwierigkeiten waren dabei in erster Linie bei den Brennhilfsmitteln zu bewältigen. Diese dienen dazu, den Kristallisationspunkt und die Wärmedehnung des Materials zu beeinflussen, zwei für den Porzellanbrand entscheidende Parameter. Während früher das Verhältnis Brennhilfsmittel zu Porzellan 7:1 betrug, liegt es beim heutigen Schnellbrand bei 3:2. Der Vorteil neben den reduzierten Materialkosten ist, dass nun weniger Brennhilfsmittel erhitzt und wieder gekühlt werden müssen. Generell konnte durch die kürzere und effizientere Brennzeit der spezifische Energieverbrauch gesenkt werden.

Rohstoffe und Massen 

Ein historischer Grund für die Entwicklung der Porzellanherstellung in Oberfranken und der Oberpfalz liegt in den reichen Vorkommen von Rohstoffen, die heute noch v.a. im Raum Hirschau und Tirschenreuth abgebaut werden. Kaolin, Quarz und Feldspat werden von den Massemühlen, die zum Teil selbst Rohstoffe abbauen, zu den Massen Schlicker, Drehmasse und Granulat aufbereitet. Früher war ein Großteil der Massemühlen Teil der Porzellanunternehmen, von denen jedes eine eigene Masse entwickelte, deren Zusammensetzung zum Betriebsgeheimnis zählte. Seit einigen Jahren kaufen zahlreiche Hersteller die Massen zu, auch der Anteil der Importe wächst.

Durch diese Entwicklung können verbleibende Massemühlen, von denen ein Großteil inzwischen zu internationalen Konzernen gehört, größere Mengen und dadurch eine gleichbleibendere Qualität herstellen. Zudem erleichtert die zunehmend gleiche Rohstoffbasis der Porzellanproduzenten die Auslagerung eines Teils der Produktion an andere, da sich die Farbnuancen der Endprodukte ebenfalls annähern. Trotzdem benutzen Porzellanhersteller auch eigens für sie aufbereitete Massen, die in enger Abstimmung mit den Massemühlen entwickelt werden.

Die anhaltende Strukturschwäche der Glas- und Porzellanindustrie hat auch Auswirkungen auf die Förderer und Veredler von Rohstoffen. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Preise in den letzten Jahren um rund ein Drittel gesunken. Die Hauptabnehmer der wenig veredelten Massenrohstoffe, wie z.B. gröbere Sande, sind die in der Region ansässigen Porzellan- und Glashersteller. Mit dem Grad der Veredelung wächst die räumliche Entfernung zum Kunden. Vermehrt werden Produkte für die Papier-, Farben- und Kunststoffindustrie hergestellt. Die befragten Experten halten die Rohstoffsicherung für notwendig, konstatieren jedoch, dass aufgrund von Umwelt- und Naturschutzüberlegungen die Akzeptanz für den Abbau von Rohstoffen bei der Bevölkerung sinke.
 
Anpassungsstrategien der Unternehmen im Strukturwandel 

In den neunziger Jahren haben viele Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Kapazitätsanpassungen vorgenommen. Allerdings wird oftmals die Auffassung vertreten, dass diese Maßnahme zu spät stattgefunden habe. Auch seien zum Teil als notwendig angesehene Investitionen bis nach der Grenzöffnung verschoben worden und dadurch wertvolle Zeit verlorengegangen.

Inzwischen zählen die Produktionsanlagen einiger Porzellanfabriken in der Region zu den modernsten der Welt. Dabei wurde auch beim Umweltschutz Pionierarbeit geleistet. Durch die Modernisierungen und Automatisierungen konnten unter anderem die Durchlaufzeiten des Porzellans von mehreren Wochen auf wenige Tage verkürzt werden - so kann nun flexibel auch auf kleine Losgrößen reagiert werden. Im Zuge der hohen Investitionen in die Maschinen erfolgt generell eine Konzentration auf wenige Standorte.

Durch im Jahresverlauf schwankende Produktion treten Spitzen auf, die von vielen Firmen nach der Kapazitätsbereinigung nicht mehr selbst abgebaut werden können. So setzt sich seit Anfang der neunziger Jahre vermehrt die Praxis durch, dass diese Produktionsspitzen zum Teil an Konkurrenten ausgelagert werden. Experten zufolge hat sich in den letzten Jahren in der Branche ein System gegenseitiger Zulieferungen entwickelt. Diese Zusammenarbeit erfolgt allerdings nur auf der Produktionsebene, bei Marketing oder Vertrieb gibt es – außer der weiter unten genannten "anonymen" Werbekampagne – keinerlei Berührungen.

Als Argument für eine teilweise Auslagerung der Produktion – sei es an Konkurrenten oder an eigene Standorte – wird unter anderem angeführt, dass sich die Technologie der Brennöfen angenähert habe. Während die früher eingesetzten Rundöfen einen jeweils eigenen Charakter hatten und demnach die Brennfarbe des Porzellans jedes Ofens anders ausfiel, sei es nicht möglich gewesen, eine Porzellanserie in verschiedenen Werken herzustellen. Die modernen Tunnelöfen ergeben hingegen eine fast einheitliche Brennfarbe. Weiterhin hätte sich auch die Rohstoffbasis der einzelnen Hersteller zunehmend angenähert, so dass sich die Endprodukte nur noch vom geübten Auge unterscheiden ließen. Aus diesen Gründen, gepaart mit der verbesserten Verkehrsinfrastruktur (A93) lassen sich Teilproduktionen leichter zwischen den Werken verschieben. Eine gewisse Konkurrenzbeziehung zwischen den einzelnen Standorten eines Herstellers führt zu Qualitätsverbesserung bzw. zur Kosteneinsparung.

Manche Unternehmen sind zudem auf Zukauf angewiesen. Ebenfalls lässt man bestimmte Artikel von Fremdfirmen herstellen, die das spezielle Know-how haben. Auch arbeitsintensive Veredelungen wie z.B. das Auftragen von Dekoren werden zum Teil nach außen gegeben. Vor allem in diesem Zusammenhang stellt Tschechien einen wichtigen Partner dar, wobei der Lohnkostenvorteil in Grenznähe allerdings bereits abnimmt. Auch in der Untersuchungsregion ist die Bedeutung der Zulieferer, wie z.B. der Buntdrucker, gewachsen.
Generell wird ähnlich wie beim Glas das Versäumnis gesehen, nicht früh genug mit einer vergleichsweise aggressiven Werbekampagne Porzellan zu einem Trend- und Modeartikel gemacht zu haben. Beim Porzellan handelt es sich um einen gesättigten Markt, das Produkt steht zudem auf der Prioritätenliste der Konsumenten auf einem der letzten Plätze – bevor sich ein Kunde für ein neues Geschirr entscheidet, so heißt es in der Branche, möchte er zuerst ein neues Auto und technische Geräte kaufen sowie in den Urlaub fahren. Seit einigen Jahren läuft nun eine Aktion, Porzellan mit bestimmten Emotionen und Stimmungen in Verbindung zu bringen. Sie wurde gemeinsam von Industrie und Handel gestartet, für einzelne Akteure wäre eine solche durchschlagende und imageändernde Kampagne zu umfangreich.
 
Entwicklungstendenzen 

Nach vorherrschender Einschätzung ist, trotz des leichten Aufschwungs im Jahr 2000, die Abwärtsbewegung noch nicht ganz zu Ende. Dabei hat sich das Segment Hotel- und Systemporzellan schon weiter erholt als das Haushaltsporzellan. Die leicht positive Entwicklung der Nachfrage wurde durch die Terroranschläge in der Vereinigten Staaten - einem der Hauptexportländer - abrupt unterbrochen. Aufgrund dieser Entwicklung wird es voraussichtlich insbesondere bei geringqualifizierten Arbeitskräften zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau kommen. Dies wird auch die Arbeit erschweren, dem momentanen negativen Image der Porzellanindustrie in der Region entgegenzuwirken.

In den Unternehmen ist durch die Kapazitätsbereinigung viel geschehen. Nachdem in den letzten Jahren Marktanteile an Konkurrenten aus Polen und Tschechien verloren gingen, haben sich viele Hersteller durch Investitionen in neue Technologien eine gute Grundlage geschaffen, den neuen Wettbewerbern aus Asien Paroli zu bieten. Porzellanproduzenten unter anderem aus Rumänien, Polen, der Türkei, Ägypten und Südostasien werden weiter aufholen, ihr technologischer Stand entspricht fast dem der hiesigen Hersteller. Dies bedeutet auch, dass sich die jeweiligen Produkte vom Laien immer weniger auf den ersten Blick unterscheiden lassen. Die EU-Osterweiterung wird von manchen Experten kritisch gesehen, da in den entsprechenden Ländern auch gewachsene keramische Strukturen existieren.

Die Konstellationen in der Porzellanindustrie ändern sich nach wie vor häufig, indem die Eigentumsrechte an einigen Marken zwischen den verschiedenen Akteuren wechseln. Diese Markenrechte und -namen sind unabhängig vom Produktionsstandort und dem namensgebenden Unternehmen, der Name eines Produkts ist kein zwingender Hinweis auf den Eigentümer. Eine Folge der Konzentration auf wenige Hersteller ist, dass manche ehemals eigenständige Porzellanfabriken zu verlängerten Werkbänken umfunktioniert wurden. Zum Teil setzen die Käufer die Neuerwerbungen demnach als Zulieferer ein, wodurch diese bei Absatzschwächen als erste betroffen sind.

Durch den Kauf und Verkauf bestimmter Marken können Hersteller ihre Produktpalette, ihre Philosophie, den Vertrieb und somit auch ihre Schwerpunktsetzung verändern. Der Eigentümerwechsel einer Marke bedeutet nicht unbedingt die Verlagerung oder Schließung des jeweiligen Produktionsstandortes. Dies tritt häufiger dann auf, wenn die Marken aufgrund eines Konkurses frei werden.

Neben den Markenanbietern, die sich tendenziell einer positiven Geschäftsentwicklung gegenübersehen, bieten sich gute Möglichkeiten im Suchen von Nischen, das schon am Markt zu beobachten ist. Diese Nischen können z.B. im Hotelporzellan für den US-Markt liegen, im speziellem Gastronomiegeschirr, im Bedienen des Hochpreissegments, im Billigporzellan für den Massenmarkt, in neuentwickelten Produkten wie Geschirr für Menschen mit Bewegungseinschränkungen oder Teller mit Induktionserwärmung, oder auch im Angebot, mit den eigenen Kapazitäten die Produktionsspitzen der anderen Hersteller abzufangen. Generell nimmt die Polarisierung zwischen hochpreisigen Artikeln und Billigprodukten zu.

Nach Halbierung des Porzellanbereichs hat sich die Produktion auf die starken Unternehmen reduziert. Im Vergleich zu früher haben sich die überlebenden Unternehmen von Grund auf gewandelt, sie warten mit neuen Produkten, einem verbesserten Vertrieb und einer veränderten Geschäftsphilosophie auf.

Die Nachfrage nach Maschinen für die keramische Industrie wächst beständig, Experten sprechen geradezu von einem Boom. Neben der weiteren Automatisierung bei den heimischen Betrieben spielen dabei auch Aufträge aus den USA und Fernost eine Rolle. Offenbar beginnen Länder, die früher vor allem Importeure von Porzellan waren, heute selbst mit der Produktion. Dazu sind Maschinen bzw. ganze Anlagen notwendig. Europa hat bereits eine hohe Automatisierung erreicht, läuft aber Gefahr, den relativen Vorsprung einzubüßen.

Hersteller in mittelosteuropäischen und GUS-Staaten kaufen häufig gebrauchte Maschinen, da sie das Kapital für Neuanschaffungen nicht aufbringen können. Die Nachfrage im Osten wird nach Einschätzung von Experten weiter zunehmen, was neue Chancen für die hiesigen Maschinenbauer, die im Porzellanbereich als führend gelten, eröffne. Versuche anderer Länder (u.a. von China), die Anlagen nachzubauen, seien nicht von Erfolg gekrönt worden.

Formen der Zusammenarbeit
 
FORKERAM - der Bayerische Forschungsverbund für keramische Materialentwicklung und Prozesstechnik
 
Der heute bereits abgeschlossene Forschungsverbund FORKERAM wurde 1998 mit dem Ziel gegründet, die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen keramischen Industrie durch Prozess- und Produktionsinnovationen zu steigern. Dies wurde erreicht durch die Zusammenfassung der hier in der Industrie und an den Hochschulen vorhandenen Kompetenzen im Bereich Keramik. Der große Erfolg des Verbundprojekts ist an den Ergebnissen abzulesen, die bereits in die Praxis umgesetzt werden konnten.
 
High-Tech-Initiative der nordostbayerischen feinkeramischen Industrie
 
Die "High-Tech-Initiative der nordostbayerischen feinkeramischen Industrie", initiiert vom Verband der Keramischen Industrie, ist auf die Porzellanhersteller (Feinkeramik) zugeschnitten – eigentlich alle größeren Hersteller arbeiten im Rahmen dieses Projekts zusammen. Dies ist nach Ansicht der Experten das erste Mal in der Geschichte, dass sich die Konkurrenten so nahe kommen. Im Rahmen des Netzwerks aus Porzellanherstellern, Zulieferern und Forschungspartnern sollen Möglichkeiten von Kooperationen ausgelotet und gemeinsam die Optimierung von Produktionsverfahren erreicht werden. Durch die Bündelung des umfassenden Wissens, das in Nordostbayern traditionell im Bereich Feinkeramik vorhanden ist, werden für die Hauptprozesse der Porzellanherstellung – Produktentwicklung, Einsatz von Porzellangrundstoffen, Formgebung, Glasieren und Dekoration – neue Technologien entwickelt und eingeführt. Dadurch werden nicht nur die einzelnen Unternehmen, sondern mit ihnen auch die gesamte Region gestärkt.
 
Weitere Bereiche der Zusammenarbeit
 
Eine Agentur wurde beauftragt, zentral ein Lifestyle-Konzept um den gemeinsamen Marktauftritt der Porzellan- und Glasindustrie mit dem "gedeckten Tisch" zu bewerben. Dabei wird auf das neue Image des Porzellans als Trendprodukt abgezielt, allerdings keine namentlich gekennzeichneten Produkte verwendet.
Die Agentur für neue Impulse im Strukturwandel an!s arbeitet gegen das negative Image der Porzellanindustrie und möchte die Präsenz des Porzellans in der Öffentlichkeit verstärken. Sie hat soziale Aktivitäten wieder ins Leben gerufen und bei einem Fest "10 Jahre Porzellanmuseum" Unternehmen, Politiker und Bevölkerung zueinander gebracht Bei den Ausstellungen "Feminines & Fragiles" und "Berufsbilder in der Glas-, Porzellan- und Keramikindustrie" gab es erstmals ein gemeinsames Auftreten verschiedener Porzellanhersteller.
Die Rohstofflieferanten tauschen ihre Rohstoffe verschiedener Qualitäten und Eigenschaften untereinander aus. Von Gemengeaufbereitern werden spezielle Massen für einzelne Hersteller entwickelt.
Laut Experten hat sich in den letzten Jahren zwischen den konkurrierenden Porzellanherstellern ein System gegenseitiger Zulieferungen entwickelt.
 
Verbindungen zu anderen Clustern
 
In Nordostbayern haben einige Unternehmen des Sondermaschinenbaus ihren Sitz, die Maschinen für die Porzellan- und Keramikherstellung anbieten. Ingenieure in diesem Bereich benötigen ein Maschinenbauwissen, das sich mit Wissen über die spezifischen Eigenschaften der Keramikmaterialien verbindet.
 
Über das gemeinsame Marketingkonzepts des "gedeckten Tisches" und die teilweise gleiche Rohstoffbasis bestehen Verbindungen zum Glas.
 
Spezialisierte Handelsunternehmen, die über verschiedene Vertriebskanäle die Keramikprodukte der Region an Endkunden und Großhändler verkaufen, sind ebenfalls zum Cluster Logistik und Spezialhandel zu rechnen.
 
Die Informationstechnologie gewinnt auch bei der Porzellanherstellung an Bedeutung. Rechnergestützte Methoden wie CAD und CAM werden zunehmend zur Erstellung von Prototypen und Vorproduktserien eingesetzt, auch Dekorentwürfe entstehen am Computer. Auch der Vertrieb stützt sich unter anderem auf den eCommerce.
 
Gliederung des Clusters
  • Porzellanhersteller und -veredler
  • Technische Keramik – Hersteller
  • Ateliers, Werkstätten und Galerien
  • Zulieferer - Rohstoffe
  • Zulieferer – Maschinen, Anlagen, Werkzeuge
  • Zulieferer und Dienstleister – Sonstige
  • unterstützende Einrichtungen

 Produkte des Clusters

  • Haushaltsporzellan
  • Hotel- und Systemporzellan
  • technische Keramik

Leitbetriebe

  • Arzberg, Rosenthal, Seltmann
  • BHS tabletop
  • CeramTec, Stelco
  • zahlreiche Manufakturen, Werkstätten und Ateliers

 Geographische Schwerpunkte

  •  sowohl bei Porzellan als auch Techischer Keramik: starke Konzentration in der nördlichen Oberpfalz und in Teilen Oberfrankens
  • "Porzellanstädte" Selb und Weiden

 

Die folgenden Angaben beziehen sich auf das Teilcluster Porzellan:

Struktur des Clusters

  • wesentliche Strukturmerkmale eines traditionsreichen Clusters in der Region vorhanden
  • zahlreiche weltbekannte Marken werden in der Region entwickelt und hergestellt
  • neben Herstellern finden sich Verarbeiter, Zulieferer von Anlagen, Rohstoffen und clusterspezifischen Leistungen und anderen speziellen Produkten und Dienstleistungen
  • zahlreiche Firmen wurden in den 50er Jahren gegründet, auffällig ist außerdem die hohe Zahl an jüngeren Ausgründungen aus diesen Unternehmen
  • Existenz clusterspezifischer Ausbildungseinrichtungen sowie Sitz des Verbands der Keramischen Industrie in der Region
  • hohes Know-How im Umgang mit dem Werkstoff Porzellan
  • keine ausgeprägte Hierarchie der Zulieferbeziehungen
  • in Teilmärkten besteht ein hoher Wettbewerbsdruck

 Kooperationen

  •  Forschungsprojekt FORKERAM
  • High-Tech Initiative der nordostbayerischen feinkeramischen Industrie
  • manche Unternehmen helfen sich gegenseitig bei Kapazitätsengpässen aus
  • gemeinsame Marketing-Initiative über den "gedeckten Tisch"
Entwicklungstendenzen bei Porzellan
  • Strukturbereinigung noch nicht abgeschlossen
  • häufiger Wechsel der Eigentümer von Marken
  • wachsende Chancen durch Nischenprodukte
  • durch verstärkte Investitionen in neue Technologien konnten Hersteller Kosten teilweise erheblich senken – gute Voraussetzungen für zukünftigen Wettbewerb
  • Feinkeramik unterliegt einem starken Strukturwandel mit einer tendenziellen Schrumpfung des Marktes für die regionalen Produzenten in den neunziger Jahren - durch die Grenzöffnung zum Osten hat sich der Anpassungsbedarf noch erhöht
  • wegen des Strukturwandels Nachwuchssorgen bei qualifizierten Arbeitskräften
 
Clusterrelevante Links
 
Verband der Keramischen Industrie: www.keramverbaende.de
 
BayDat - Das Transferportal der bayerischen Universitäten und Hochschulen: www.baydat.de
 
 
Detailinformationen Struktur des Clusters Porzellanindustrie

Die Porzellanindustrie prägt die nördliche Oberpfalz und Teile Oberfrankens. Die "Porzellanstädte" Selb und Weiden sind – neben Orten in Thüringen und Sachsen – die Zentren dieses Wirtschaftszweiges. Hier haben zahlreiche international bekannte Porzellanhersteller, viele schon seit dem 19. Jahrhundert, ihren Sitz. Einige dieser Unternehmen dominieren die Branche weltweit. Zulieferer aller Art, wie Buntdrucker für Dekore, Porzellanmaler und -bedrucker, Maschinenbauer, Analyselabors und Rohstofflieferanten mit Gemengeaufbereitung befinden sich in unmittelbarer Nähe. Stark konzentriert in der Region sind ebenfalls die Massemühlen, die die Rohstoffe zu den Porzellanmassen veredeln. Zudem gibt es den Verband der Keramischen Industrie, die Porzellanfachschule, die Agentur für neue Initiativen im Strukturwandel, mehrere Museen und die Porzellanstraße.

Im wesentlichen lassen sich die Haupterzeugnisgruppen Geschirrkeramik, Baukeramik, Ofenkacheln und technische Keramik unterscheiden. In der Untersuchung erfolgte eine Konzentration auf den Bereich Geschirrkeramik, der sich wiederum in Haushalts- bzw. Hotel- und Systemporzellan unterscheiden lässt. Dabei sieht sich die Erzeugnisgruppe Hotel- und Systemporzellan offenbar weniger gravierenden Strukturproblemen gegenüber als das Haushaltsporzellan. Viele der hier ansässigen Unternehmen bedienen beide Märkte.

Die Firmen, die zum Teil auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken, sind typischerweise in Familienbesitz. Die Akteure beobachten sich, halten aber meist kritische Distanz zueinander. In nicht wenigen Fällen konkurrieren sie auf den gleichen Märkten, was die Neigung zur Abschottung erklärt und große Hürden für die Zusammenarbeit bedeutet. Dies war auch bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts der Fall, als die Branche noch insgesamt expandierte und eine positive Gewinnsituation vorherrschte. Seither hat sich die Lage drastisch verschlechtert. Das letzte Jahrzehnt brachten Preiseinbrüche von über 30 Prozent mit sich, gemessen an der Beschäftigung und der Produktion hat sich der Porzellanbereich in den neunziger Jahren in etwa halbiert. Ob die Talsohle bereits erreicht ist, ist unter den befragten Experten strittig. Als Hoffnungsschimmer hat es im Jahr 2000 nach acht Jahren mit zurückgehenden Umsätzen wieder eine leichte Erholung gegeben, die allerdings rein auf gestiegener Auslandsnachfrage beruht. Diese positive Entwicklung wurde durch die Terroranschläge Ende des Jahres 2001 wieder unterbrochen. Aufgrund der Ereignisse ist nicht nur die Nachfrage nach Porzellan in einem der Hauptexportländer USA gesunken, es wurden auch Aufträge storniert.
 
Geschirr- und Zierkeramik in Oberfranken und der Oberpfalz - Zahlen für die neunziger Jahre
(Quelle: Verband der Keramischen Industrie)
Produktion (Tonnen): -48%
Beschäftigte: -52%
Gesamtumsatz: -33%
Inlandsumsatz: -30%
Export: -38%
Aus diesen Zahlen geht hervor, dass in den Jahren von 1990 bis 1999 die Produktionsmengen bei der Geschirr- und Zierkeramik in Oberfranken und der Oberpfalz ebenso wie die Beschäftigung deutlich stärker gesunken sind als der Umsatz. Dies bedeutet zum einen, dass tendenziell Produkte mit höherer Qualität hergestellt werden. Zum anderen werden in den Produktionsprozess weniger Arbeitskräfte eingesetzt, was in der Tendenz darauf hinweist, dass durch einen erhöhten Automatisierungsgrad die Personalkosten gedrückt werden, sie liegen im Schnitt inzwischen unter 50 Prozent.
 
Folgen des Strukturwandels 

Das durch den Strukturwandel entstandene negative Image des Wirtschaftszweiges wirkt sich nicht nur auf die Kunden und Banken als Kapitalgeber aus, sondern auf die gesamte Region. Fast jede der dem Porzellanbereich verbundenen Familien wurde von Entlassungen betroffen. In manchen Städten, die bis in die achtziger Jahre hinein als "Porzellanstädte" galten, wurden alle Porzellanfabriken geschlossen.

Dieses negative Image des Porzellans hält sich nach wie vor hartnäckig, weswegen kaum mehr junge Leute aus der Region in diesem Wirtschaftszweig arbeiten wollen. Dazu gesellt sich eine Zurückhaltung der Unternehmen, entsprechende Ausbildungen anzubieten. Die Porzellanfachschule bildet unter anderem Modelleure aus, die allerdings unter anderem auch für die Automobilindustrie interessant sind und nun bevorzugt dort arbeiten. Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass das Lohnniveau im Porzellanbereich niedriger als in anderen Industriezweigen ist. Die Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter, die einmal in einen anderen Bereich gewechselt sind, kaum für die Porzellanbranche zurückgewonnen werden können. Schon jetzt macht sich ein Facharbeitermangel bemerkbar, der sich nach Expertenmeinung in den kommenden Jahren noch verstärken wird.

Zu betonen ist jedoch, dass die Arbeitsplätze der qualifizierten Facharbeiter auch in Krisenzeiten relativ sicher waren. Entlassungen betrafen in erster Linie angelernte Kräfte und Frauen in der Produktion, die mit einem Anteil von mehr als 75 Prozent allerdings den Großteil der Beschäftigten stellten. Da sich diese Gruppen durch starke Ortsgebundenheit und wenig Flexibilität auszeichnet, sind die Arbeitsmarktwirkungen in diesem Bereich nachhaltig spürbar.
 
Spezialisierte Arbeitskräfte 

Ein reiches Fach- und Spezialwissen ist in der Region konzentriert. Die Industriekultur im Porzellanbereich hat eine lange Tradition, in Porzelliner-Familien ist oftmals bereits die dritte Generation in diesem Wirtschaftszweig beschäftigt. Zum Teil wird das Wissen in den Familien weitergegeben. Der hohe Sachverstand und die Motivation der Arbeitnehmer drückt sich auch in einem hohen Qualitätsbewusstsein aus. Beispielsweise ist es keine Seltenheit, dass die Beschäftigten auf Fehler in der Produktion oder in den Abläufen aufmerksam machen, so dass wenig Nacharbeit erforderlich ist und die Prozesse verbessert werden können. Dieses verantwortliche Verhalten ist an anderen Produktionsstandorten weitaus weniger ausgeprägt. Generell lässt sich sagen, dass die Beschäftigten in der Region große Erfahrung in der industriellen Produktion aufweisen und für den Einsatz auch in anderen Industriezweigen die besten Voraussetzungen haben.

Die im Vergleich zu anderen Porzellanstandorten relativ hohen Löhne werden durch die hohe Qualifikation, Motivation und Erfahrung der Arbeitskräfte wettgemacht. Berufserfahrung gilt insbesondere auf der Meisterebene als ein wichtiges Kriterium. Noch verfügt die Region über ein hohes Potenzial in diesem Bereich.

Der Trend zur Qualifizierung ist - wie in zahlreichen Wirtschaftszweigen - in der Porzellanbranche deutlich sichtbar. Während in den achtziger Jahren das Verhältnis zwischen Qualifizierten und Angelernten noch etwa 20 zu 80 betrug, geht die Tendenz heute dahin, dass beide Gruppen etwa zu gleichen Teilen eingesetzt werden. Zwei Gründe sind hierfür ausschlaggebend: Zum einen sind angelernte Kräfte in der Regel nur auf einen Arbeitsgang spezialisiert und weniger flexibel auch für andere Tätigkeiten einsetzbar. Zum anderen ergibt sich durch die zunehmende Mechanisierung der Produktion ein erhöhter Qualifikationsbedarf.

Mit dem generellen Qualifizierungstrend geht eine zunehmende Ausdifferenzierung der Qualifikationen einher. Dies ist ablesbar an der Vielzahl der Lehrberufe, die im Porzellanbereich relevant sind. Bereits in den fünfziger Jahren wurden etwa die speziellen Berufsbilder Porzellanhandwerker, Dreher, Porzellanmaler, Dekorateur und Modelleur geschaffen, während heute auch insbesondere Elektroniker, Wärmetechniker und Informatiker gefragt sind. Durch die fortschreitende Automatisierung und abnehmende Handarbeit geht die Bedeutung der handwerklichen Berufe wie Maler und Dreher tendenziell zurück. Prototypen und Vorproduktserien werden zunehmend auf der Basis von CAD und CAM erstellt, auch für Dekorentwürfe wird der Computer eingesetzt. Die Nachfrage nach Informatikern wird ebenfalls durch die wachsende Bedeutung des eCommerce im Porzellanvertrieb steigen.

Das in der Region vorhandene Spezialwissen umfasst auch die Herstellung und Beherrschung hochspezieller Anlagen, die die Porzellanrohmasse – ein Material, das durch seine besonderen Eigenschaften (hochviskos, abrasiv) hohe Anforderungen an die Produktionsanlagen stellt – verarbeiten können. Hier verzahnt sich Maschinenbauwissen mit Keramikwissen. Entsprechend spezialisierte Ingenieure gibt es außer in der Untersuchungsregion nur in Großbritannien sowie – allerdings im Bereich der Grobkeramik – in Oberitalien. Eine Spezialausbildung wird hierfür nicht angeboten, dadurch sind junge Maschinenbauer im Keramikbereich selten.
 
Neue Technologien 

Bei den keramikverarbeitenden Maschinen gilt die Innovationsrate als vergleichsweise gering. Eine umfassende Weiterentwicklung der Anlagen im Produktionsprozess ist allerdings beim Handling zu beobachten, bei dem zwischen Flachware (z.B. Teller) und Hohlware (z.B. Tassen und Kannen) unterschieden werden muss. Während das Umsetzen der Flachware zwischen den verschiedenen Bearbeitungsstufen stark automatisiert werden konnte, sind die Hersteller von Hohlware weiterhin weitgehend auf Handarbeit in diesem Bereich angewiesen. Hier werden Rationalisierungsmöglichkeiten gesehen.

Neuerungen haben sich in den vergangenen Jahren ebenfalls bei den Öfen ergeben. Die traditionell eingesetzten Rundöfen wurden weitgehend durch Tunnelöfen ersetzt. Dadurch wurden die Brennzeiten des Porzellans sukzessive von 40 Stunden auf sechs Stunden verkürzt. Technische Schwierigkeiten waren dabei in erster Linie bei den Brennhilfsmitteln zu bewältigen. Diese dienen dazu, den Kristallisationspunkt und die Wärmedehnung des Materials zu beeinflussen, zwei für den Porzellanbrand entscheidende Parameter. Während früher das Verhältnis Brennhilfsmittel zu Porzellan 7:1 betrug, liegt es beim heutigen Schnellbrand bei 3:2. Der Vorteil neben den reduzierten Materialkosten ist, dass nun weniger Brennhilfsmittel erhitzt und wieder gekühlt werden müssen. Generell konnte durch die kürzere und effizientere Brennzeit der spezifische Energieverbrauch gesenkt werden.

Rohstoffe und Massen 

Ein historischer Grund für die Entwicklung der Porzellanherstellung in Oberfranken und der Oberpfalz liegt in den reichen Vorkommen von Rohstoffen, die heute noch v.a. im Raum Hirschau und Tirschenreuth abgebaut werden. Kaolin, Quarz und Feldspat werden von den Massemühlen, die zum Teil selbst Rohstoffe abbauen, zu den Massen Schlicker, Drehmasse und Granulat aufbereitet. Früher war ein Großteil der Massemühlen Teil der Porzellanunternehmen, von denen jedes eine eigene Masse entwickelte, deren Zusammensetzung zum Betriebsgeheimnis zählte. Seit einigen Jahren kaufen zahlreiche Hersteller die Massen zu, auch der Anteil der Importe wächst.

Durch diese Entwicklung können verbleibende Massemühlen, von denen ein Großteil inzwischen zu internationalen Konzernen gehört, größere Mengen und dadurch eine gleichbleibendere Qualität herstellen. Zudem erleichtert die zunehmend gleiche Rohstoffbasis der Porzellanproduzenten die Auslagerung eines Teils der Produktion an andere, da sich die Farbnuancen der Endprodukte ebenfalls annähern. Trotzdem benutzen Porzellanhersteller auch eigens für sie aufbereitete Massen, die in enger Abstimmung mit den Massemühlen entwickelt werden.

Die anhaltende Strukturschwäche der Glas- und Porzellanindustrie hat auch Auswirkungen auf die Förderer und Veredler von Rohstoffen. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Preise in den letzten Jahren um rund ein Drittel gesunken. Die Hauptabnehmer der wenig veredelten Massenrohstoffe, wie z.B. gröbere Sande, sind die in der Region ansässigen Porzellan- und Glashersteller. Mit dem Grad der Veredelung wächst die räumliche Entfernung zum Kunden. Vermehrt werden Produkte für die Papier-, Farben- und Kunststoffindustrie hergestellt. Die befragten Experten halten die Rohstoffsicherung für notwendig, konstatieren jedoch, dass aufgrund von Umwelt- und Naturschutzüberlegungen die Akzeptanz für den Abbau von Rohstoffen bei der Bevölkerung sinke.
 
Anpassungsstrategien der Unternehmen im Strukturwandel 

In den neunziger Jahren haben viele Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Kapazitätsanpassungen vorgenommen. Allerdings wird oftmals die Auffassung vertreten, dass diese Maßnahme zu spät stattgefunden habe. Auch seien zum Teil als notwendig angesehene Investitionen bis nach der Grenzöffnung verschoben worden und dadurch wertvolle Zeit verlorengegangen.

Inzwischen zählen die Produktionsanlagen einiger Porzellanfabriken in der Region zu den modernsten der Welt. Dabei wurde auch beim Umweltschutz Pionierarbeit geleistet. Durch die Modernisierungen und Automatisierungen konnten unter anderem die Durchlaufzeiten des Porzellans von mehreren Wochen auf wenige Tage verkürzt werden - so kann nun flexibel auch auf kleine Losgrößen reagiert werden. Im Zuge der hohen Investitionen in die Maschinen erfolgt generell eine Konzentration auf wenige Standorte.

Durch im Jahresverlauf schwankende Produktion treten Spitzen auf, die von vielen Firmen nach der Kapazitätsbereinigung nicht mehr selbst abgebaut werden können. So setzt sich seit Anfang der neunziger Jahre vermehrt die Praxis durch, dass diese Produktionsspitzen zum Teil an Konkurrenten ausgelagert werden. Experten zufolge hat sich in den letzten Jahren in der Branche ein System gegenseitiger Zulieferungen entwickelt. Diese Zusammenarbeit erfolgt allerdings nur auf der Produktionsebene, bei Marketing oder Vertrieb gibt es – außer der weiter unten genannten "anonymen" Werbekampagne – keinerlei Berührungen.

Als Argument für eine teilweise Auslagerung der Produktion – sei es an Konkurrenten oder an eigene Standorte – wird unter anderem angeführt, dass sich die Technologie der Brennöfen angenähert habe. Während die früher eingesetzten Rundöfen einen jeweils eigenen Charakter hatten und demnach die Brennfarbe des Porzellans jedes Ofens anders ausfiel, sei es nicht möglich gewesen, eine Porzellanserie in verschiedenen Werken herzustellen. Die modernen Tunnelöfen ergeben hingegen eine fast einheitliche Brennfarbe. Weiterhin hätte sich auch die Rohstoffbasis der einzelnen Hersteller zunehmend angenähert, so dass sich die Endprodukte nur noch vom geübten Auge unterscheiden ließen. Aus diesen Gründen, gepaart mit der verbesserten Verkehrsinfrastruktur (A93) lassen sich Teilproduktionen leichter zwischen den Werken verschieben. Eine gewisse Konkurrenzbeziehung zwischen den einzelnen Standorten eines Herstellers führt zu Qualitätsverbesserung bzw. zur Kosteneinsparung.

Manche Unternehmen sind zudem auf Zukauf angewiesen. Ebenfalls lässt man bestimmte Artikel von Fremdfirmen herstellen, die das spezielle Know-how haben. Auch arbeitsintensive Veredelungen wie z.B. das Auftragen von Dekoren werden zum Teil nach außen gegeben. Vor allem in diesem Zusammenhang stellt Tschechien einen wichtigen Partner dar, wobei der Lohnkostenvorteil in Grenznähe allerdings bereits abnimmt. Auch in der Untersuchungsregion ist die Bedeutung der Zulieferer, wie z.B. der Buntdrucker, gewachsen.
Generell wird ähnlich wie beim Glas das Versäumnis gesehen, nicht früh genug mit einer vergleichsweise aggressiven Werbekampagne Porzellan zu einem Trend- und Modeartikel gemacht zu haben. Beim Porzellan handelt es sich um einen gesättigten Markt, das Produkt steht zudem auf der Prioritätenliste der Konsumenten auf einem der letzten Plätze – bevor sich ein Kunde für ein neues Geschirr entscheidet, so heißt es in der Branche, möchte er zuerst ein neues Auto und technische Geräte kaufen sowie in den Urlaub fahren. Seit einigen Jahren läuft nun eine Aktion, Porzellan mit bestimmten Emotionen und Stimmungen in Verbindung zu bringen. Sie wurde gemeinsam von Industrie und Handel gestartet, für einzelne Akteure wäre eine solche durchschlagende und imageändernde Kampagne zu umfangreich.
 
Entwicklungstendenzen 

Nach vorherrschender Einschätzung ist, trotz des leichten Aufschwungs im Jahr 2000, die Abwärtsbewegung noch nicht ganz zu Ende. Dabei hat sich das Segment Hotel- und Systemporzellan schon weiter erholt als das Haushaltsporzellan. Die leicht positive Entwicklung der Nachfrage wurde durch die Terroranschläge in der Vereinigten Staaten - einem der Hauptexportländer - abrupt unterbrochen. Aufgrund dieser Entwicklung wird es voraussichtlich insbesondere bei geringqualifizierten Arbeitskräften zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau kommen. Dies wird auch die Arbeit erschweren, dem momentanen negativen Image der Porzellanindustrie in der Region entgegenzuwirken.

In den Unternehmen ist durch die Kapazitätsbereinigung viel geschehen. Nachdem in den letzten Jahren Marktanteile an Konkurrenten aus Polen und Tschechien verloren gingen, haben sich viele Hersteller durch Investitionen in neue Technologien eine gute Grundlage geschaffen, den neuen Wettbewerbern aus Asien Paroli zu bieten. Porzellanproduzenten unter anderem aus Rumänien, Polen, der Türkei, Ägypten und Südostasien werden weiter aufholen, ihr technologischer Stand entspricht fast dem der hiesigen Hersteller. Dies bedeutet auch, dass sich die jeweiligen Produkte vom Laien immer weniger auf den ersten Blick unterscheiden lassen. Die EU-Osterweiterung wird von manchen Experten kritisch gesehen, da in den entsprechenden Ländern auch gewachsene keramische Strukturen existieren.

Die Konstellationen in der Porzellanindustrie ändern sich nach wie vor häufig, indem die Eigentumsrechte an einigen Marken zwischen den verschiedenen Akteuren wechseln. Diese Markenrechte und -namen sind unabhängig vom Produktionsstandort und dem namensgebenden Unternehmen, der Name eines Produkts ist kein zwingender Hinweis auf den Eigentümer. Eine Folge der Konzentration auf wenige Hersteller ist, dass manche ehemals eigenständige Porzellanfabriken zu verlängerten Werkbänken umfunktioniert wurden. Zum Teil setzen die Käufer die Neuerwerbungen demnach als Zulieferer ein, wodurch diese bei Absatzschwächen als erste betroffen sind.

Durch den Kauf und Verkauf bestimmter Marken können Hersteller ihre Produktpalette, ihre Philosophie, den Vertrieb und somit auch ihre Schwerpunktsetzung verändern. Der Eigentümerwechsel einer Marke bedeutet nicht unbedingt die Verlagerung oder Schließung des jeweiligen Produktionsstandortes. Dies tritt häufiger dann auf, wenn die Marken aufgrund eines Konkurses frei werden.

Neben den Markenanbietern, die sich tendenziell einer positiven Geschäftsentwicklung gegenübersehen, bieten sich gute Möglichkeiten im Suchen von Nischen, das schon am Markt zu beobachten ist. Diese Nischen können z.B. im Hotelporzellan für den US-Markt liegen, im speziellem Gastronomiegeschirr, im Bedienen des Hochpreissegments, im Billigporzellan für den Massenmarkt, in neuentwickelten Produkten wie Geschirr für Menschen mit Bewegungseinschränkungen oder Teller mit Induktionserwärmung, oder auch im Angebot, mit den eigenen Kapazitäten die Produktionsspitzen der anderen Hersteller abzufangen. Generell nimmt die Polarisierung zwischen hochpreisigen Artikeln und Billigprodukten zu.

Nach Halbierung des Porzellanbereichs hat sich die Produktion auf die starken Unternehmen reduziert. Im Vergleich zu früher haben sich die überlebenden Unternehmen von Grund auf gewandelt, sie warten mit neuen Produkten, einem verbesserten Vertrieb und einer veränderten Geschäftsphilosophie auf.

Die Nachfrage nach Maschinen für die keramische Industrie wächst beständig, Experten sprechen geradezu von einem Boom. Neben der weiteren Automatisierung bei den heimischen Betrieben spielen dabei auch Aufträge aus den USA und Fernost eine Rolle. Offenbar beginnen Länder, die früher vor allem Importeure von Porzellan waren, heute selbst mit der Produktion. Dazu sind Maschinen bzw. ganze Anlagen notwendig. Europa hat bereits eine hohe Automatisierung erreicht, läuft aber Gefahr, den relativen Vorsprung einzubüßen.

Hersteller in mittelosteuropäischen und GUS-Staaten kaufen häufig gebrauchte Maschinen, da sie das Kapital für Neuanschaffungen nicht aufbringen können. Die Nachfrage im Osten wird nach Einschätzung von Experten weiter zunehmen, was neue Chancen für die hiesigen Maschinenbauer, die im Porzellanbereich als führend gelten, eröffne. Versuche anderer Länder (u.a. von China), die Anlagen nachzubauen, seien nicht von Erfolg gekrönt worden.

Formen der Zusammenarbeit
 
FORKERAM - der Bayerische Forschungsverbund für keramische Materialentwicklung und Prozesstechnik
 
Der heute bereits abgeschlossene Forschungsverbund FORKERAM wurde 1998 mit dem Ziel gegründet, die Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen keramischen Industrie durch Prozess- und Produktionsinnovationen zu steigern. Dies wurde erreicht durch die Zusammenfassung der hier in der Industrie und an den Hochschulen vorhandenen Kompetenzen im Bereich Keramik. Der große Erfolg des Verbundprojekts ist an den Ergebnissen abzulesen, die bereits in die Praxis umgesetzt werden konnten.
 
High-Tech-Initiative der nordostbayerischen feinkeramischen Industrie
 
Die "High-Tech-Initiative der nordostbayerischen feinkeramischen Industrie", initiiert vom Verband der Keramischen Industrie, ist auf die Porzellanhersteller (Feinkeramik) zugeschnitten – eigentlich alle größeren Hersteller arbeiten im Rahmen dieses Projekts zusammen. Dies ist nach Ansicht der Experten das erste Mal in der Geschichte, dass sich die Konkurrenten so nahe kommen. Im Rahmen des Netzwerks aus Porzellanherstellern, Zulieferern und Forschungspartnern sollen Möglichkeiten von Kooperationen ausgelotet und gemeinsam die Optimierung von Produktionsverfahren erreicht werden. Durch die Bündelung des umfassenden Wissens, das in Nordostbayern traditionell im Bereich Feinkeramik vorhanden ist, werden für die Hauptprozesse der Porzellanherstellung – Produktentwicklung, Einsatz von Porzellangrundstoffen, Formgebung, Glasieren und Dekoration – neue Technologien entwickelt und eingeführt. Dadurch werden nicht nur die einzelnen Unternehmen, sondern mit ihnen auch die gesamte Region gestärkt.
 
Weitere Bereiche der Zusammenarbeit
 
Eine Agentur wurde beauftragt, zentral ein Lifestyle-Konzept um den gemeinsamen Marktauftritt der Porzellan- und Glasindustrie mit dem "gedeckten Tisch" zu bewerben. Dabei wird auf das neue Image des Porzellans als Trendprodukt abgezielt, allerdings keine namentlich gekennzeichneten Produkte verwendet.
Die Agentur für neue Impulse im Strukturwandel an!s arbeitet gegen das negative Image der Porzellanindustrie und möchte die Präsenz des Porzellans in der Öffentlichkeit verstärken. Sie hat soziale Aktivitäten wieder ins Leben gerufen und bei einem Fest "10 Jahre Porzellanmuseum" Unternehmen, Politiker und Bevölkerung zueinander gebracht Bei den Ausstellungen "Feminines & Fragiles" und "Berufsbilder in der Glas-, Porzellan- und Keramikindustrie" gab es erstmals ein gemeinsames Auftreten verschiedener Porzellanhersteller.
Die Rohstofflieferanten tauschen ihre Rohstoffe verschiedener Qualitäten und Eigenschaften untereinander aus. Von Gemengeaufbereitern werden spezielle Massen für einzelne Hersteller entwickelt.
Laut Experten hat sich in den letzten Jahren zwischen den konkurrierenden Porzellanherstellern ein System gegenseitiger Zulieferungen entwickelt.
 
Verbindungen zu anderen Clustern
 
In Nordostbayern haben einige Unternehmen des Sondermaschinenbaus ihren Sitz, die Maschinen für die Porzellan- und Keramikherstellung anbieten. Ingenieure in diesem Bereich benötigen ein Maschinenbauwissen, das sich mit Wissen über die spezifischen Eigenschaften der Keramikmaterialien verbindet.
 
Über das gemeinsame Marketingkonzepts des "gedeckten Tisches" und die teilweise gleiche Rohstoffbasis bestehen Verbindungen zum Glas.
 
Spezialisierte Handelsunternehmen, die über verschiedene Vertriebskanäle die Keramikprodukte der Region an Endkunden und Großhändler verkaufen, sind ebenfalls zum Cluster Logistik und Spezialhandel zu rechnen.
 
Die Informationstechnologie gewinnt auch bei der Porzellanherstellung an Bedeutung. Rechnergestützte Methoden wie CAD und CAM werden zunehmend zur Erstellung von Prototypen und Vorproduktserien eingesetzt, auch Dekorentwürfe entstehen am Computer. Auch der Vertrieb stützt sich unter anderem auf den eCommerce.
 

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