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Cluster Glasproduzierende und -veredelnde Wirtschaft minimieren 


Gliederung des Clusters:

  • Technisches Glas und Flachglas
  • maschinengefertigtes Wirtschaftsglas
  • Handglashütten
  • Ateliers, Werkstätten und Galerien
  • Weiterverarbeitung und Veredelung
  • Zulieferer - Maschinen, Anlagen, Werkzeuge
  • Zulieferer und Dienstleister - Rohstoffe und Sonstiges
  • unterstützende Einrichtungen

 

Produkte des Clusters
  • technisches Glas und Flachglas
  • maschinengefertigtes Wirtschaftsglas
  • handgefertigtes Glas, Ateliers, Werkstätten und Galerien
  • veredeltes Glas
  • Anlagen- und Werkzeugbau

Leitbetriebe

  • Flabeg , Flachglas Wernberg, Irlbacher, Pilkington Deutschland, Schott Mitterteich
  • Nachtmann Crystal, Zwiesel Kristallglas
  • zahlreiche Handglashütten (z.B. Eisch, Poschinger, Theresienthal), Ateliers und Werkstattgemeinschaften prägen die Region
  • Joska Crystal, Weinfurtner
  • Horn Glass, Kinle, Linn High Therm

Geographische Schwerpunkte

  • Flachglas und technisches Glas breit gestreut in der nördlichen und östlichen Untersuchungsregion, u.a. in und um Deggendorf, Regen/ Zwiesel und Wernberg
  • Zentrum der Kristallglasherstellung der Raum Zwiesel-Frauenau
  • Zentrum der Bleikristallglasherstellung der Raum Neustadt-Weiden
Struktur des Clusters
  • Bayerischer Wald eines der wenigen in sich geschlossenen Glaszentren der Welt, zahlreiche Strukturmerkmale eines traditionsreichen Clusters in der Region vorhanden
  • neben Herstellern finden sich Verarbeiter, Zulieferer von Anlagen, Rohstoffen und clusterspezifischen Leistungen sowie spezialisierte Ausbildungseinrichtungen
  • hohes Know-How im Umgang mit dem Werkstoff Glas
  • in Teilbereichen wie dem Wirtschaftsglas besteht ein sehr hoher Wettbewerbsdruck
  • Hersteller von Anlagen und Werkzeugen für die Glasindustrie konzentriert in Ostbayern
Kooperationen
  • Auslagerungen bei Produktionsspitzen
  • Kooperationen im Bereich Marketing, z.B. "Gläserner Winkel" und "gedeckter Tisch"
  • gemeinsame Entwicklung von Vorprodukten
  • Forschungsprojekte, die von der High-Tech Offensive Bayern gefördert wurden
Entwicklungstendenzen
  • Flachglas und technisches Glas mit wachsender Bedeutung und guten Marktchancen
  • Talsohle im Wirtschaftsglas voraussichtlich erreicht
  • wegen des Strukturwandels Nachwuchssorgen bei qualifizierten Arbeitskräften
  • steigende Nachfrage nach individuellen Produkten, dadurch wird Glaskunst an Bedeutung gewinnen
  • Gebrauchsglas wird zunehmend maschinell gefertigt werden
  • sinkende Preise bei Wirtschaftsglas und Rohstoffen
  • Zukunftschancen durch Entwicklung neuer Werkstoffe
Detailinformationen Struktur des Clusters Glasproduzierende und -veredelnde Wirtschaft
 
Einer der prägenden traditionellen Wirtschaftszweige Ostbayerns ist die Glasherstellung mit den beiden Zentren Zwiesel-Frauenau im Bereich Kristallglas (im Landkreis Regen arbeiten etwa ein Drittel aller im produzierenden Gewerbe beschäftigten Arbeitnehmer in der Glasindustrie) und dem Raum Weiden-Neustadt a. d. Waldnaab mit dem Schwerpunkt Bleikristall (rund 1.800 Beschäftigte). Der Bayerische Wald gilt als eines der wenigen in sich geschlossenen Glaszentren der Welt. Hier finden sich nicht nur produzierende und veredelnde Unternehmen verschiedener Größen und Ausrichtungen - darunter auch die letzten vollkommen manuell arbeitenden Handglashütten, die sich gegen eine weitgehend automatisierte internationale Konkurrenz durchsetzen müssen - sondern auch Zulieferer wie Glasofenbauer, spezialisierte Werkzeugmacher und Formenbauer. Zudem werden die wichtigsten Rohstoffe zur Glasproduktion in der Region abgebaut, auch ein Analysenlabor steht zur Verfügung. Eine bedeutende Institution ist die Glasfachschule Zwiesel, die als Staatliches Berufsbildungszentrum mit der Berufsfachschule für Glas, der Berufsschule für Glasberufe und optische Industrieberufe sowie der Fachschule für Glas mit Technikerschule die Ausbildung in zahlreichen Berufen anbietet. Seit 1994 wurden 16 Mio. DM in eine Modernisierung der Schule investiert, ein deutliches Signal für die Zukunft.
 
Die ostbayerischen Produktionsstandorte in den Landkreisen Freyung-Grafenau, Neustadt a. d. Waldnaab, Regen und Tirschenreuth weisen eine von den drei anderen deutschen Glasregionen (Wesergebiet, Frankfurt/ Main, Aachen-Köln-Düsseldorf) deutlich unterschiedliche Struktur auf. Im Untersuchungsgebiet findet sich eine größere Vielfalt von Betrieben, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, die vor allem Kristall-, Wirtschafts- und Studioglas herstellen. Ostbayern hält bei den im Glasbereich in Deutschland Beschäftigten einen Anteil von 11 Prozent, bei der Anzahl der Firmen von 16 Prozent.
 
Die glasproduzierenden Unternehmen in Ostbayern gliedern sich in unterschiedliche Typen: 
  • kleine Ateliers und Werkstattgemeinschaften
  • Handglashütten
  • Maschinenfertigung
  • Weiterverarbeitung und Veredelung von Glas
  • technisches Glas.
Zu unterteilen ist generell in händisch und maschinell hergestelltes Glas. In der händischen Produktion hat sich der Arbeitsablauf in den letzten 2000 Jahren wenig verändert, die traditionellen Produktionsprozesse sind nach wie vor gebräuchlich. Händisch gefertigt wird in kleineren Handglashütten genauso wie in großen Betrieben. Die maschinelle Fertigung hingegen findet in größeren Maschinenhütten statt. Dieser Produktionsprozess ist ausgelegt auf höhere Stückzahlen bzw. Losgrößen und lässt sich nur für Gläser und Glasobjekte bis zu einer bestimmten maximalen Größe einsetzen, die Möglichkeiten des Designs sind ebenfalls limitiert. Diese technischen Beschränkungen führen dazu, dass sich in diesem Bereich beständig Neuerungen ergeben.
 
Die Haupterzeugnisgruppe in Ostbayern ist das Wirtschaftsglas. Sowohl in der maschinellen als auch in der händischen Fertigung von Kelchgläsern und Geschenkartikeln arbeitet ein Großteil der Beschäftigten. In diesem auf den Endverbraucher ausgerichteten Markt ist das Image der Produkte entscheidend, wobei der Name "Zwiesel" nach wie vor bedeutend ist. Mit Ausnahme des technischen Glases konkurrieren die Unternehmen auf diesem einen hart umkämpften Markt, was die Zusammenarbeit oftmals erheblich erschwert.
 
Im Bayerischen Wald ist die Glasherstellung seit 750 Jahren, im Oberpfälzer Wald seit 500 Jahren bekannt, sie wurde erstmals in Glashütt bei St. Englmar nachgewiesen. In den ersten Jahrhunderten wurde, bedingt durch den hohen Eisenanteil im Quarz, grünes Glas hergestellt, der gestalterische Höhepunkt wurde im späten im 19. Jahrhundert bzw. im Jugendstil während des Niedergangs der venezianischen Glasherstellung erreicht. Das Bleikristallzentrum Neustadt a. d. Waldnaab erlangte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bedeutung, weil Kohle verfügbar wurde. Im Jahr 1900 verlagerte Nachtmann aufgrund des Zugangs zur Eisenbahn die Unterhütte, Seebachhütte und Ödhütte aus dem Bayerischen Wald hierher.
 
Verwandte Bereiche siedelten sich ebenfalls an. So war Plößberg ehemals das Zentrum des Glasofenbaus, während Vohenstrauß für die Überfangtechnik bekannt war. Um Pleystein herum arbeiteten viele Glasschleifer, in und um Rötz viele Spiegelschleifer. Beide benötigten die Wasserkraft der Flüsse als Antrieb ihrer Schleifmaschinen.
 
Der Großteil der Unternehmen besteht schon seit langer Zeit, die Akteure kennen und beobachten sich. Trotzdem gibt es bisher kaum Kontakte zwischen den einzelnen Herstellern. Allerdings scheint sich diese strikte Abschottung zumindest in manchen Bereichen neuerdings etwas zu lockern, es kommt auch zu Zusammenarbeit und Koordination von Aktivitäten. Auf den ersten Blick könnte aber der Eindruck entstehen, dass die einzelnen Unternehmen nicht viel mehr gemeinsam hätten, als dass sie zufällig auf demselben Markt auftreten.
 
Eine Sonderstellung nimmt der Bayerische Wald auch bei der Glaskunst ein. Künstler aus dem "Gläsernen Winkel" spielen international eine Vorreiterrolle in der Studioglasbewegung, die in den 60er Jahren in den Vereinigten Staaten entstanden ist und Glas als Grundlage für künstlerisches Schaffen begreift. Die Werke der Künstler - Objekte ohne Funktionalität und in Perfektion ausgeführt - werden in sowohl hiesigen als auch in Galerien und Museen weltweit verkauft bzw. ausgestellt. Sie sind ein starker Beitrag zum Tourismus und zur Imagebildung des Bayerischen Waldes als Glas- und Kulturregion. Ein Großteil der renommierten Glaskünstler kommen aus der Glasfachschule Zwiesel und stehen heute als Lehrkräfte zur Verfügung. Durch ihre internationalen Kontakte sind sie in die Glasszene eingebunden und informiert über die neuesten Trends und Entwicklungen.
 
Neben dem Wirtschaftsglas ist die Herstellung und Veredelung von technischem Glas und Flachglas in Ostbayern von Bedeutung. Hierunter fallen unter anderem Architektur- und Bauglas, das durch neue Entwicklungen und der steigenden Nachfrage nach z.B. individuell gestalteten Fassaden und Türen zukunftsträchtig ist, ebenso wie elektrochrome Gläser für die Automobilindustrie, Solarkollektoren und hochtechnische Gläser, die unter anderem im Pharmabereich eingesetzt werden.
 
Ein historischer Grund für die Entwicklung der Glasherstellung in Ostbayern liegt - neben den holzreichen Wäldern zur Gewinnung von Energie und Pottasche - in den reichen Rohstoffvorkommen. In der Region werden Quarz und Feldspat abgebaut und nur zum Teil veredelt an die Glashersteller verkauft. Die unveredelten Massenrohstoffe finden Abnehmer in den Glashütten mit einer traditionell eigenen Anlage zur Gemengeaufbereitung, die in der Regel auch noch nach den Schrumpfungsprozessen besteht.
 
Seit den 80er Jahren ist in der Glasbranche ein Strukturwandel zu beobachten. Nach dem "Millenniums-Boom" im Jahr 2000 war 2001 wieder von einem Rückgang der Nachfrage gekennzeichnet. Bis heute ging die Zahl der in der Glasindustrie des Bayerischen Waldes Beschäftigten von rund 4.500 auf etwa 2.200 zurück. Verantwortlich gemacht werden dafür zunehmende Importe von billiger Massenware aus Osteuropa und Fernost. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Preise bei Gebrauchsgläsern um etwa ein Drittel gefallen. Es wird argumentiert, dass oftmals gute, aber teuer produzierte Produkte zu billig verkauft wurden. Die Grenzöffnung hat in einer Zeit der Umstrukturierungen stattgefunden - der Anteil der Handarbeit in der Glasherstellung nahm ab, der Zukauf von Auslandsware stieg, Teile der Produktion wurden in die osteuropäischen Nachbarländer oder andere Niedriglohnländer verlagert. Auch im Tourismus wurde die Grenzöffnung spürbar. Vor allem Böhmen zieht Besucher an, die ebenfalls die dort hergestellten Glasprodukte nachfragen.
 
Spezialisierte Arbeitskräfte und Folgen des Strukturwandels
  
Im Glasbereich ist in der Region ein umfangreiches, tradiertes Wissen vorhanden. Handwerklich liegt der Schwerpunkt auf der Kelchglasbläserei. Weltweit gibt es neben dem Bayerischen Wald und Böhmen eine vergleichbare Tradition nur noch in Murano (Italien). In Glasmacher- und Schmelzerdynastien wurde das Wissen über die speziellen Fertigkeiten über viele Generationen bis heute weitergegeben. Der hohe Sachverstand und die Motivation der Arbeitnehmer drückt sich auch in einem hohen Qualitätsbewusstsein aus. Beispielsweise ist es keine Seltenheit, dass die Beschäftigten auf Fehler in der Produktion oder in den Abläufen aufmerksam machen, so dass wenig Nacharbeit erforderlich ist und die Prozesse verbessert werden können. Dieses verantwortliche Verhalten ist an anderen Produktionsstandorten weitaus weniger ausgeprägt.
 
Die im Vergleich zu anderen Ländern relativ hohen Löhne werden durch die Qualifikation, Motivation und Erfahrung der Arbeitskräfte wettgemacht, die Wettbewerbsvorteile des Bayerischen Waldes liegen neben dem hervorragenden Ruf der Produkte auch in ihrer hohen Qualität, der handwerklichen Fertigkeit der im Glasbereich Beschäftigten und ihrem künstlerischen Ideenreichtum.
 
Allerdings wurde durch den Strukturwandel im letzten Jahrzehnt fast jede Familie von Entlassungen und Werksschließungen im Glasbereich betroffen. Das dadurch entstandene negative Image des Glases hält sich nach wie vor hartnäckig, weswegen kaum mehr junge Leute aus der Region in diesem Wirtschaftszweig arbeiten wollen. Dies ist zu beobachten, obwohl nach Einschätzung der Befragten die Talsohle im Wirtschaftsglas erreicht sein dürfte und die noch existierenden Unternehmen weiterhin bestehen und qualifizierte Arbeitskräfte nachfragen werden.
 
Dazu gesellt sich eine Zurückhaltung der Unternehmen - natürlich mit Ausnahmen - Mitarbeiter für zwei bzw. drei Jahre freizustellen, um ihnen eine weiterführende Ausbildung zu ermöglichen. Vor allem für die Hüttentechnik, ein der Meisterausbildung vergleichbarer Zweig, besteht längerfristig Bedarf der Industrie. Nach wie vor attraktiv sind die Angebote der dualen Ausbildung der Glasfachschule Zwiesel. Die Klassen werden besucht von Auszubildenden aus den verschiedenen Unternehmenstypen - von Lehrlingen in der Industrie bis zu Azubis in kleineren Hütten und bei freischaffenden Glasmachern. Generell müssten die Angebote der Glasfachschule interessant für alle Unternehmen sein, werden aber hauptsächlich von Künstlern und Gestaltern und vergleichsweise spärlich von der Industrie genutzt.
 
Fachkräfte, die im Zuge des Strukturwandels ihren Arbeitsplatz verloren und sich anderweitig orientiert haben, kehren in der Regel nicht mehr zum Glasbereich zurück. Durch den Mangel an Nachwuchs wird die Gefahr gesehen, dass altes Wissen aussterben könnte. So werden manche Techniken nur noch von drei oder vier Leuten beherrscht, bei Berufen im Glasbereich sind Gefühl und Erfahrung von großer Bedeutung. Wenn dieses Wissen allerdings verloren wäre, würde es große Anstrengung kosten, dies wieder zu entwickeln.
 
Entwicklungstendenzen
 
Nach Einschätzung der Befragten dürfte die Talsohle im Wirtschaftsglas erreicht sein, die noch existierenden Unternehmen haben demnach eine gute Überlebenschance. Es wird auch argumentiert, dass vom Glas wesentlich mehr Leute leben könnten - vergleichbar zur früheren Situation - wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden würden. Ansatzpunkte wären z.B. eine Verbesserung des Informationsaustausches und des Technologietransfers, professionelle Marktbeobachtung, Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren und eine nochmals verstärkte touristische Vermarktung des Bayerischen Waldes als Glasregion. Manche der Befragten verweisen darauf, dass einige der Impulsgeber in diesen Fragen von außerhalb der Region kämen.
 
Um den Absatz von Kelchgläsern zu erhöhen, zielen die Marketinganstrengungen im Wirtschaftsglas verstärkt auf den "gedeckten Tisch", bei dem Gläser als Einheit mit Porzellan, Besteck und Tischwäsche beworben werden.
 
Die allgemein steigende Nachfrage nach individuellen Produkten macht sich auch auf dem Glasmarkt bemerkbar. Designprodukte und damit die Studioglasbewegung, die Glas als Kunst anbietet, werden an Bedeutung gewinnen. Es wird angedacht, wieder eine "Wanderausbildung" ins Leben zu rufen, in der Lehrlinge während ihrer Ausbildung von einem Studio zum nächsten ziehen.
 
Die Wettbewerbsvorteile ostbayerischer Hersteller liegen bei Qualität, Schnelligkeit und Design. Diese Vorteile können sowohl in der händischen als auch in der maschinellen Fertigung genutzt und im Vergleich zu Konkurrenten aus Niedriglohnländern entsprechend hochwertigere und individuellere Produkte hergestellt werden.
 
Im Zuge der steigenden Nachfrage nach individuellen Gütern und der sinkenden Attraktivität von Standardprodukten wird Gebrauchsglas wohl zunehmend maschinell gefertigt oder zugekauft werden. In Zukunft werden in verstärktem Maße Produkte unter anderem aus Polen, China und den GUS-Staaten auf den Markt kommen. Herstellern in diesen Ländern steht inzwischen ein Teil des Know-hows aus den traditionellen Glasregionen sowie die notwendigen Anlagen zur Verfügung. Tschechien sieht sich im Moment ähnlichen Problemen gegenüber wie die ostbayerische Glasindustrie in den letzten Jahren. Die Löhne und Qualitätsanforderungen an die Produkte steigen, obwohl die Preise auf konstant niedrigem Niveau verharren.
 
Der Bereich Flachglas hat den Strukturwandel mit geringeren Einbußen überstanden. Einige Unternehmen in der Region sind durch den Rückzug des Pilkington-Konzerns auf sein Kerngeschäft mit Veränderungen konfrontiert worden, die aber keine größeren wirtschaftlichen Probleme mit sich gebracht haben dürften.
 
Große Zukunftschancen beim technischen Glas ergeben sich durch die aktuelle Werkstoffforschung. Glas-Keramik- und Glas-Kunststoff-Verbindungen werden für viele High-Tech-Produkte stark an Bedeutung gewinnen, ebenso wie neue funktionale Beschichtungen. Eine herausragende Entwicklung sind zudem die elektrochromen Gläser der Firma Flabeg, die momentan für die Automobilindustrie hergestellt werden. Auch Architektur- und Bauglas wie etwa der Firma Flachglas Wernberg sind durch neue Entwicklungen und der steigenden Nachfrage nach z.B. individuell gestalteten Fassaden und Türen zukunftsträchtig. Mit Schott-Rohrglas sitzt zudem ein Hersteller hochtechnischer Gläser, die unter anderem im Pharmabereich eingesetzt werden, in der Region.
 
Der Glasbereich in der Region ist seit Jahrzehnten gekennzeichnet durch einen sinkenden Anteil der Handarbeit in der Produktion, dies betrifft auch die traditionsverbundenen Manufakturen. Gründe hierfür liegen unter anderem in einem zunehmenden Konkurrenzdruck aus dem Ausland, dem sich die Branche gegenübersieht. Dies führt zum Zukauf von Teilen des Sortiments und/ oder zu einer Teilverlagerung der Produktion.
 
Die anhaltende Strukturschwäche der Glas- und Porzellanindustrie hat auch Auswirkungen auf die Förderer und Veredler von Rohstoffen. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Preise in den letzten Jahren um rund ein Drittel gesunken, der Anteil der importierten Rohstoffe nimmt zu. Die Hauptabnehmer der wenig veredelten Massenrohstoffe, wie z.B. gröbere Sande, sind die in der Region ansässigen Porzellan- und Glashersteller. Mit dem Grad der Veredelung wächst die räumliche Entfernung zum Kunden. Vermehrt werden Produkte für die Papier-, Farben- und Kunststoffindustrie hergestellt. Die befragten Experten halten die Rohstoffsicherung für notwendig, konstatieren jedoch, dass aufgrund von Umwelt- und Naturschutzüberlegungen die Akzeptanz für den Abbau von Rohstoffen bei der Bevölkerung sinkt.
 
Beim Behälterglas werden Auswirkungen der Umstellung auf PET-Flaschen erwartet. Dabei wird erwartet, dass die Kunststoffindustrie flexibler auf Änderungen reagieren kann als die Glasindustrie. In Teilbereichen des technischen Glases - wie z.B. bei Tablettenverpackungen - erscheint eine Substitution Glas gegen Kunststoff ebenfalls ohne große technische Probleme möglich, während etwa in der Medizintechnik oder bei der Verpackung spezieller Pharmaerzeugnisse aufgrund der chemischen Eigenschaften der Produkte diese Substitution nur schwer möglich ist.
 
Die Glasfachschule Zwiesel hat vor dem Hintergrund dieser strukturellen Veränderungen ihre Konzeption angepasst. Sie bildet verstärkt da aus, wo zukünftiges Wachstum gesehen wird. Hervorzuheben sind dabei erstens spezielle Erzeugnisse, deren Einsatzbereiche von der Medizintechnik und der Physik bis hin zur Weltraumtechnik reichen. Zweitens, maschinell gefertigte Massenware im Bereich Flach- und Hohlglas, bei der Qualität und Design zählt. Und drittens das Kunsthandwerk.
 
Formen der Zusammenarbeit
 
Die Vorteile der Konzentration des Glasgewerbes v.a. im Zwieseler Winkel sind vielfältig. Zum einen strahlt das gute Image des Standortes auf alle Akteure aus. Zum anderen zeigen Aussagen wie "Alles, was man für Glas braucht, ist da." - die sich auf die hier ansässige Spezialisten und unterstützende Einrichtungen, die für Ratschläge zur Verfügung stehen, bezog - dass hier die besten Voraussetzungen für das Arbeiten mit Glas gegeben sind.
 
Werkstätten, die oftmals über keinen eigenen Glasofen verfügen, können zum Teil die Anlagen der Hütten nutzen. Zwischen kleinen Werkstätten und Ateliers besteht oftmals keine feste oder regelmäßige Zusammenarbeit, sie helfen sich aber bei Bedarf aus, tauschen ihr Wissen aus und nutzen zum Teil gegenseitig ihre Anlagen. Einige kleinere Handwerksbetriebe bauen Prototypen und Muster für große Unternehmen, die dann industriell in Serie gehen. Sie übernehmen auch Kleinserien und spezielle Aufträge und können aufgrund ihrer flexiblen Strukturen Sonderwünsche erfüllen.
 
Mit der Glasstraße und dem Gläsernen Winkel wurden Kooperationen zum gemeinsamen Marketing und Verkauf geschlossen. Dabei handelt es sich zwar in erster Linie um touristische Projekte, die aber auch zur Verfestigung einer gemeinsamen Identität beitragen. Zum ersten Mal im Jahr 2001 nahmen verschiedene Werkstätten und Ateliers am Weihnachtsmarkt in Chicago (USA) teil. Durch die vom Landratsamt Regen initiierte Reise bekamen auch kleine Betriebe die Möglichkeit, ihre Produkte in den Vereinigten Staaten, wo Glasprodukte aus dem Bayerischen Wald ausgesprochen beliebt sind, zu verkaufen.
 
Die Glasfachschule Zwiesel ist in Projekte mit der Wirtschaft eingebunden, so werden in den verschiedenen Klassen sowohl für die Glasindustrie als auch für andere Unternehmen Gläser und Objekte entworfen. Zahlreiche Glaskünstler und Fachleute aus Unternehmen sind ehemalige Schüler der Glasfachschule und erteilen nun Unterricht.
 
Eine interessante Zukunftsperspektive eröffnet sich durch das - von High-Tech-Offensive der Bayerischen Staatsregierung unterstützte - Projekt "Werkstoffverbunde und oberflächenveredelte Produkte aus Glas", abgekürzt WOPAG. Im Rahmen dieser Kooperation zur Grundlagenforschung suchen vier ostbayerische Glasunternehmen verschiedenster Ausrichtungen nach neuen Verfahren, die von allen Beteiligten nutzbar sein werden. Dies ist die erste derartige Kooperation in der Glasbranche.
 
Eine Zusammenarbeit bestand bis 2003 im Bereich "gedeckter Tisch" der Marke Esprit, für die Schott Zwiesel die Gläser herstellte, SKV Schirnding das Porzellan, Wilkens das Besteck und Home Decor Münchsberg die passende Tischwäsche. Zudem wurde das Lifestyle-Konzept des "gedeckten Tisches" firmen- und branchenübergreifend beworben. Engere organisatorische Zusammenschlüsse von Unternehmen aus dem Glas- und Porzellansektor wie z.B. Rosenthal und Nachtmann oder Hutschenreuther und Theresienthal haben in der Vergangenheit nicht funktioniert.
 
Verbindungen zu anderen Clustern
 
Einige Firmen in der weiteren Region stellen Sondermaschinen und Anlagen speziell zum Einsatz in der Glasindustrie her.
 
In der Region gibt es mit Flabeg einen Hersteller von technischem Glas, der Marktführer im Bereich Autospiegel ist.
 
Verbindungen zu Logistik und Spezialhandel ergeben sich über die auf Glasprodukte spezialisierten Versandunternehmen, zudem werden komplette Logistikanlagen und Lagersysteme aus der Region bezogen.
 
Die Informationstechnologie bietet Optimierungslösungen der Produktionsprozesse an. Rechnergestützte Methoden wie CAD und CAM werden zunehmend zur Erstellung von Prototypen und Vorproduktserien eingesetzt. Zudem existieren im Bayerischen Wald einige IT-Unternehmen, die spezielle Produkte wie Webseiten oder eShops für die Glasbranche erstellen.
 
Über das gemeinsame Marketingkonzepts des "gedeckten Tisches" und die teilweise gleiche Rohstoffbasis bestehen Verbindungen zum Porzellan.


Gliederung des Clusters:

  • Technisches Glas und Flachglas
  • maschinengefertigtes Wirtschaftsglas
  • Handglashütten
  • Ateliers, Werkstätten und Galerien
  • Weiterverarbeitung und Veredelung
  • Zulieferer - Maschinen, Anlagen, Werkzeuge
  • Zulieferer und Dienstleister - Rohstoffe und Sonstiges
  • unterstützende Einrichtungen

 

Produkte des Clusters
  • technisches Glas und Flachglas
  • maschinengefertigtes Wirtschaftsglas
  • handgefertigtes Glas, Ateliers, Werkstätten und Galerien
  • veredeltes Glas
  • Anlagen- und Werkzeugbau

Leitbetriebe

  • Flabeg , Flachglas Wernberg, Irlbacher, Pilkington Deutschland, Schott Mitterteich
  • Nachtmann Crystal, Zwiesel Kristallglas
  • zahlreiche Handglashütten (z.B. Eisch, Poschinger, Theresienthal), Ateliers und Werkstattgemeinschaften prägen die Region
  • Joska Crystal, Weinfurtner
  • Horn Glass, Kinle, Linn High Therm

Geographische Schwerpunkte

  • Flachglas und technisches Glas breit gestreut in der nördlichen und östlichen Untersuchungsregion, u.a. in und um Deggendorf, Regen/ Zwiesel und Wernberg
  • Zentrum der Kristallglasherstellung der Raum Zwiesel-Frauenau
  • Zentrum der Bleikristallglasherstellung der Raum Neustadt-Weiden
Struktur des Clusters
  • Bayerischer Wald eines der wenigen in sich geschlossenen Glaszentren der Welt, zahlreiche Strukturmerkmale eines traditionsreichen Clusters in der Region vorhanden
  • neben Herstellern finden sich Verarbeiter, Zulieferer von Anlagen, Rohstoffen und clusterspezifischen Leistungen sowie spezialisierte Ausbildungseinrichtungen
  • hohes Know-How im Umgang mit dem Werkstoff Glas
  • in Teilbereichen wie dem Wirtschaftsglas besteht ein sehr hoher Wettbewerbsdruck
  • Hersteller von Anlagen und Werkzeugen für die Glasindustrie konzentriert in Ostbayern
Kooperationen
  • Auslagerungen bei Produktionsspitzen
  • Kooperationen im Bereich Marketing, z.B. "Gläserner Winkel" und "gedeckter Tisch"
  • gemeinsame Entwicklung von Vorprodukten
  • Forschungsprojekte, die von der High-Tech Offensive Bayern gefördert wurden
Entwicklungstendenzen
  • Flachglas und technisches Glas mit wachsender Bedeutung und guten Marktchancen
  • Talsohle im Wirtschaftsglas voraussichtlich erreicht
  • wegen des Strukturwandels Nachwuchssorgen bei qualifizierten Arbeitskräften
  • steigende Nachfrage nach individuellen Produkten, dadurch wird Glaskunst an Bedeutung gewinnen
  • Gebrauchsglas wird zunehmend maschinell gefertigt werden
  • sinkende Preise bei Wirtschaftsglas und Rohstoffen
  • Zukunftschancen durch Entwicklung neuer Werkstoffe
Detailinformationen Struktur des Clusters Glasproduzierende und -veredelnde Wirtschaft
 
Einer der prägenden traditionellen Wirtschaftszweige Ostbayerns ist die Glasherstellung mit den beiden Zentren Zwiesel-Frauenau im Bereich Kristallglas (im Landkreis Regen arbeiten etwa ein Drittel aller im produzierenden Gewerbe beschäftigten Arbeitnehmer in der Glasindustrie) und dem Raum Weiden-Neustadt a. d. Waldnaab mit dem Schwerpunkt Bleikristall (rund 1.800 Beschäftigte). Der Bayerische Wald gilt als eines der wenigen in sich geschlossenen Glaszentren der Welt. Hier finden sich nicht nur produzierende und veredelnde Unternehmen verschiedener Größen und Ausrichtungen - darunter auch die letzten vollkommen manuell arbeitenden Handglashütten, die sich gegen eine weitgehend automatisierte internationale Konkurrenz durchsetzen müssen - sondern auch Zulieferer wie Glasofenbauer, spezialisierte Werkzeugmacher und Formenbauer. Zudem werden die wichtigsten Rohstoffe zur Glasproduktion in der Region abgebaut, auch ein Analysenlabor steht zur Verfügung. Eine bedeutende Institution ist die Glasfachschule Zwiesel, die als Staatliches Berufsbildungszentrum mit der Berufsfachschule für Glas, der Berufsschule für Glasberufe und optische Industrieberufe sowie der Fachschule für Glas mit Technikerschule die Ausbildung in zahlreichen Berufen anbietet. Seit 1994 wurden 16 Mio. DM in eine Modernisierung der Schule investiert, ein deutliches Signal für die Zukunft.
 
Die ostbayerischen Produktionsstandorte in den Landkreisen Freyung-Grafenau, Neustadt a. d. Waldnaab, Regen und Tirschenreuth weisen eine von den drei anderen deutschen Glasregionen (Wesergebiet, Frankfurt/ Main, Aachen-Köln-Düsseldorf) deutlich unterschiedliche Struktur auf. Im Untersuchungsgebiet findet sich eine größere Vielfalt von Betrieben, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, die vor allem Kristall-, Wirtschafts- und Studioglas herstellen. Ostbayern hält bei den im Glasbereich in Deutschland Beschäftigten einen Anteil von 11 Prozent, bei der Anzahl der Firmen von 16 Prozent.
 
Die glasproduzierenden Unternehmen in Ostbayern gliedern sich in unterschiedliche Typen: 
  • kleine Ateliers und Werkstattgemeinschaften
  • Handglashütten
  • Maschinenfertigung
  • Weiterverarbeitung und Veredelung von Glas
  • technisches Glas.
Zu unterteilen ist generell in händisch und maschinell hergestelltes Glas. In der händischen Produktion hat sich der Arbeitsablauf in den letzten 2000 Jahren wenig verändert, die traditionellen Produktionsprozesse sind nach wie vor gebräuchlich. Händisch gefertigt wird in kleineren Handglashütten genauso wie in großen Betrieben. Die maschinelle Fertigung hingegen findet in größeren Maschinenhütten statt. Dieser Produktionsprozess ist ausgelegt auf höhere Stückzahlen bzw. Losgrößen und lässt sich nur für Gläser und Glasobjekte bis zu einer bestimmten maximalen Größe einsetzen, die Möglichkeiten des Designs sind ebenfalls limitiert. Diese technischen Beschränkungen führen dazu, dass sich in diesem Bereich beständig Neuerungen ergeben.
 
Die Haupterzeugnisgruppe in Ostbayern ist das Wirtschaftsglas. Sowohl in der maschinellen als auch in der händischen Fertigung von Kelchgläsern und Geschenkartikeln arbeitet ein Großteil der Beschäftigten. In diesem auf den Endverbraucher ausgerichteten Markt ist das Image der Produkte entscheidend, wobei der Name "Zwiesel" nach wie vor bedeutend ist. Mit Ausnahme des technischen Glases konkurrieren die Unternehmen auf diesem einen hart umkämpften Markt, was die Zusammenarbeit oftmals erheblich erschwert.
 
Im Bayerischen Wald ist die Glasherstellung seit 750 Jahren, im Oberpfälzer Wald seit 500 Jahren bekannt, sie wurde erstmals in Glashütt bei St. Englmar nachgewiesen. In den ersten Jahrhunderten wurde, bedingt durch den hohen Eisenanteil im Quarz, grünes Glas hergestellt, der gestalterische Höhepunkt wurde im späten im 19. Jahrhundert bzw. im Jugendstil während des Niedergangs der venezianischen Glasherstellung erreicht. Das Bleikristallzentrum Neustadt a. d. Waldnaab erlangte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bedeutung, weil Kohle verfügbar wurde. Im Jahr 1900 verlagerte Nachtmann aufgrund des Zugangs zur Eisenbahn die Unterhütte, Seebachhütte und Ödhütte aus dem Bayerischen Wald hierher.
 
Verwandte Bereiche siedelten sich ebenfalls an. So war Plößberg ehemals das Zentrum des Glasofenbaus, während Vohenstrauß für die Überfangtechnik bekannt war. Um Pleystein herum arbeiteten viele Glasschleifer, in und um Rötz viele Spiegelschleifer. Beide benötigten die Wasserkraft der Flüsse als Antrieb ihrer Schleifmaschinen.
 
Der Großteil der Unternehmen besteht schon seit langer Zeit, die Akteure kennen und beobachten sich. Trotzdem gibt es bisher kaum Kontakte zwischen den einzelnen Herstellern. Allerdings scheint sich diese strikte Abschottung zumindest in manchen Bereichen neuerdings etwas zu lockern, es kommt auch zu Zusammenarbeit und Koordination von Aktivitäten. Auf den ersten Blick könnte aber der Eindruck entstehen, dass die einzelnen Unternehmen nicht viel mehr gemeinsam hätten, als dass sie zufällig auf demselben Markt auftreten.
 
Eine Sonderstellung nimmt der Bayerische Wald auch bei der Glaskunst ein. Künstler aus dem "Gläsernen Winkel" spielen international eine Vorreiterrolle in der Studioglasbewegung, die in den 60er Jahren in den Vereinigten Staaten entstanden ist und Glas als Grundlage für künstlerisches Schaffen begreift. Die Werke der Künstler - Objekte ohne Funktionalität und in Perfektion ausgeführt - werden in sowohl hiesigen als auch in Galerien und Museen weltweit verkauft bzw. ausgestellt. Sie sind ein starker Beitrag zum Tourismus und zur Imagebildung des Bayerischen Waldes als Glas- und Kulturregion. Ein Großteil der renommierten Glaskünstler kommen aus der Glasfachschule Zwiesel und stehen heute als Lehrkräfte zur Verfügung. Durch ihre internationalen Kontakte sind sie in die Glasszene eingebunden und informiert über die neuesten Trends und Entwicklungen.
 
Neben dem Wirtschaftsglas ist die Herstellung und Veredelung von technischem Glas und Flachglas in Ostbayern von Bedeutung. Hierunter fallen unter anderem Architektur- und Bauglas, das durch neue Entwicklungen und der steigenden Nachfrage nach z.B. individuell gestalteten Fassaden und Türen zukunftsträchtig ist, ebenso wie elektrochrome Gläser für die Automobilindustrie, Solarkollektoren und hochtechnische Gläser, die unter anderem im Pharmabereich eingesetzt werden.
 
Ein historischer Grund für die Entwicklung der Glasherstellung in Ostbayern liegt - neben den holzreichen Wäldern zur Gewinnung von Energie und Pottasche - in den reichen Rohstoffvorkommen. In der Region werden Quarz und Feldspat abgebaut und nur zum Teil veredelt an die Glashersteller verkauft. Die unveredelten Massenrohstoffe finden Abnehmer in den Glashütten mit einer traditionell eigenen Anlage zur Gemengeaufbereitung, die in der Regel auch noch nach den Schrumpfungsprozessen besteht.
 
Seit den 80er Jahren ist in der Glasbranche ein Strukturwandel zu beobachten. Nach dem "Millenniums-Boom" im Jahr 2000 war 2001 wieder von einem Rückgang der Nachfrage gekennzeichnet. Bis heute ging die Zahl der in der Glasindustrie des Bayerischen Waldes Beschäftigten von rund 4.500 auf etwa 2.200 zurück. Verantwortlich gemacht werden dafür zunehmende Importe von billiger Massenware aus Osteuropa und Fernost. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Preise bei Gebrauchsgläsern um etwa ein Drittel gefallen. Es wird argumentiert, dass oftmals gute, aber teuer produzierte Produkte zu billig verkauft wurden. Die Grenzöffnung hat in einer Zeit der Umstrukturierungen stattgefunden - der Anteil der Handarbeit in der Glasherstellung nahm ab, der Zukauf von Auslandsware stieg, Teile der Produktion wurden in die osteuropäischen Nachbarländer oder andere Niedriglohnländer verlagert. Auch im Tourismus wurde die Grenzöffnung spürbar. Vor allem Böhmen zieht Besucher an, die ebenfalls die dort hergestellten Glasprodukte nachfragen.
 
Spezialisierte Arbeitskräfte und Folgen des Strukturwandels
  
Im Glasbereich ist in der Region ein umfangreiches, tradiertes Wissen vorhanden. Handwerklich liegt der Schwerpunkt auf der Kelchglasbläserei. Weltweit gibt es neben dem Bayerischen Wald und Böhmen eine vergleichbare Tradition nur noch in Murano (Italien). In Glasmacher- und Schmelzerdynastien wurde das Wissen über die speziellen Fertigkeiten über viele Generationen bis heute weitergegeben. Der hohe Sachverstand und die Motivation der Arbeitnehmer drückt sich auch in einem hohen Qualitätsbewusstsein aus. Beispielsweise ist es keine Seltenheit, dass die Beschäftigten auf Fehler in der Produktion oder in den Abläufen aufmerksam machen, so dass wenig Nacharbeit erforderlich ist und die Prozesse verbessert werden können. Dieses verantwortliche Verhalten ist an anderen Produktionsstandorten weitaus weniger ausgeprägt.
 
Die im Vergleich zu anderen Ländern relativ hohen Löhne werden durch die Qualifikation, Motivation und Erfahrung der Arbeitskräfte wettgemacht, die Wettbewerbsvorteile des Bayerischen Waldes liegen neben dem hervorragenden Ruf der Produkte auch in ihrer hohen Qualität, der handwerklichen Fertigkeit der im Glasbereich Beschäftigten und ihrem künstlerischen Ideenreichtum.
 
Allerdings wurde durch den Strukturwandel im letzten Jahrzehnt fast jede Familie von Entlassungen und Werksschließungen im Glasbereich betroffen. Das dadurch entstandene negative Image des Glases hält sich nach wie vor hartnäckig, weswegen kaum mehr junge Leute aus der Region in diesem Wirtschaftszweig arbeiten wollen. Dies ist zu beobachten, obwohl nach Einschätzung der Befragten die Talsohle im Wirtschaftsglas erreicht sein dürfte und die noch existierenden Unternehmen weiterhin bestehen und qualifizierte Arbeitskräfte nachfragen werden.
 
Dazu gesellt sich eine Zurückhaltung der Unternehmen - natürlich mit Ausnahmen - Mitarbeiter für zwei bzw. drei Jahre freizustellen, um ihnen eine weiterführende Ausbildung zu ermöglichen. Vor allem für die Hüttentechnik, ein der Meisterausbildung vergleichbarer Zweig, besteht längerfristig Bedarf der Industrie. Nach wie vor attraktiv sind die Angebote der dualen Ausbildung der Glasfachschule Zwiesel. Die Klassen werden besucht von Auszubildenden aus den verschiedenen Unternehmenstypen - von Lehrlingen in der Industrie bis zu Azubis in kleineren Hütten und bei freischaffenden Glasmachern. Generell müssten die Angebote der Glasfachschule interessant für alle Unternehmen sein, werden aber hauptsächlich von Künstlern und Gestaltern und vergleichsweise spärlich von der Industrie genutzt.
 
Fachkräfte, die im Zuge des Strukturwandels ihren Arbeitsplatz verloren und sich anderweitig orientiert haben, kehren in der Regel nicht mehr zum Glasbereich zurück. Durch den Mangel an Nachwuchs wird die Gefahr gesehen, dass altes Wissen aussterben könnte. So werden manche Techniken nur noch von drei oder vier Leuten beherrscht, bei Berufen im Glasbereich sind Gefühl und Erfahrung von großer Bedeutung. Wenn dieses Wissen allerdings verloren wäre, würde es große Anstrengung kosten, dies wieder zu entwickeln.
 
Entwicklungstendenzen
 
Nach Einschätzung der Befragten dürfte die Talsohle im Wirtschaftsglas erreicht sein, die noch existierenden Unternehmen haben demnach eine gute Überlebenschance. Es wird auch argumentiert, dass vom Glas wesentlich mehr Leute leben könnten - vergleichbar zur früheren Situation - wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden würden. Ansatzpunkte wären z.B. eine Verbesserung des Informationsaustausches und des Technologietransfers, professionelle Marktbeobachtung, Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren und eine nochmals verstärkte touristische Vermarktung des Bayerischen Waldes als Glasregion. Manche der Befragten verweisen darauf, dass einige der Impulsgeber in diesen Fragen von außerhalb der Region kämen.
 
Um den Absatz von Kelchgläsern zu erhöhen, zielen die Marketinganstrengungen im Wirtschaftsglas verstärkt auf den "gedeckten Tisch", bei dem Gläser als Einheit mit Porzellan, Besteck und Tischwäsche beworben werden.
 
Die allgemein steigende Nachfrage nach individuellen Produkten macht sich auch auf dem Glasmarkt bemerkbar. Designprodukte und damit die Studioglasbewegung, die Glas als Kunst anbietet, werden an Bedeutung gewinnen. Es wird angedacht, wieder eine "Wanderausbildung" ins Leben zu rufen, in der Lehrlinge während ihrer Ausbildung von einem Studio zum nächsten ziehen.
 
Die Wettbewerbsvorteile ostbayerischer Hersteller liegen bei Qualität, Schnelligkeit und Design. Diese Vorteile können sowohl in der händischen als auch in der maschinellen Fertigung genutzt und im Vergleich zu Konkurrenten aus Niedriglohnländern entsprechend hochwertigere und individuellere Produkte hergestellt werden.
 
Im Zuge der steigenden Nachfrage nach individuellen Gütern und der sinkenden Attraktivität von Standardprodukten wird Gebrauchsglas wohl zunehmend maschinell gefertigt oder zugekauft werden. In Zukunft werden in verstärktem Maße Produkte unter anderem aus Polen, China und den GUS-Staaten auf den Markt kommen. Herstellern in diesen Ländern steht inzwischen ein Teil des Know-hows aus den traditionellen Glasregionen sowie die notwendigen Anlagen zur Verfügung. Tschechien sieht sich im Moment ähnlichen Problemen gegenüber wie die ostbayerische Glasindustrie in den letzten Jahren. Die Löhne und Qualitätsanforderungen an die Produkte steigen, obwohl die Preise auf konstant niedrigem Niveau verharren.
 
Der Bereich Flachglas hat den Strukturwandel mit geringeren Einbußen überstanden. Einige Unternehmen in der Region sind durch den Rückzug des Pilkington-Konzerns auf sein Kerngeschäft mit Veränderungen konfrontiert worden, die aber keine größeren wirtschaftlichen Probleme mit sich gebracht haben dürften.
 
Große Zukunftschancen beim technischen Glas ergeben sich durch die aktuelle Werkstoffforschung. Glas-Keramik- und Glas-Kunststoff-Verbindungen werden für viele High-Tech-Produkte stark an Bedeutung gewinnen, ebenso wie neue funktionale Beschichtungen. Eine herausragende Entwicklung sind zudem die elektrochromen Gläser der Firma Flabeg, die momentan für die Automobilindustrie hergestellt werden. Auch Architektur- und Bauglas wie etwa der Firma Flachglas Wernberg sind durch neue Entwicklungen und der steigenden Nachfrage nach z.B. individuell gestalteten Fassaden und Türen zukunftsträchtig. Mit Schott-Rohrglas sitzt zudem ein Hersteller hochtechnischer Gläser, die unter anderem im Pharmabereich eingesetzt werden, in der Region.
 
Der Glasbereich in der Region ist seit Jahrzehnten gekennzeichnet durch einen sinkenden Anteil der Handarbeit in der Produktion, dies betrifft auch die traditionsverbundenen Manufakturen. Gründe hierfür liegen unter anderem in einem zunehmenden Konkurrenzdruck aus dem Ausland, dem sich die Branche gegenübersieht. Dies führt zum Zukauf von Teilen des Sortiments und/ oder zu einer Teilverlagerung der Produktion.
 
Die anhaltende Strukturschwäche der Glas- und Porzellanindustrie hat auch Auswirkungen auf die Förderer und Veredler von Rohstoffen. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind die Preise in den letzten Jahren um rund ein Drittel gesunken, der Anteil der importierten Rohstoffe nimmt zu. Die Hauptabnehmer der wenig veredelten Massenrohstoffe, wie z.B. gröbere Sande, sind die in der Region ansässigen Porzellan- und Glashersteller. Mit dem Grad der Veredelung wächst die räumliche Entfernung zum Kunden. Vermehrt werden Produkte für die Papier-, Farben- und Kunststoffindustrie hergestellt. Die befragten Experten halten die Rohstoffsicherung für notwendig, konstatieren jedoch, dass aufgrund von Umwelt- und Naturschutzüberlegungen die Akzeptanz für den Abbau von Rohstoffen bei der Bevölkerung sinkt.
 
Beim Behälterglas werden Auswirkungen der Umstellung auf PET-Flaschen erwartet. Dabei wird erwartet, dass die Kunststoffindustrie flexibler auf Änderungen reagieren kann als die Glasindustrie. In Teilbereichen des technischen Glases - wie z.B. bei Tablettenverpackungen - erscheint eine Substitution Glas gegen Kunststoff ebenfalls ohne große technische Probleme möglich, während etwa in der Medizintechnik oder bei der Verpackung spezieller Pharmaerzeugnisse aufgrund der chemischen Eigenschaften der Produkte diese Substitution nur schwer möglich ist.
 
Die Glasfachschule Zwiesel hat vor dem Hintergrund dieser strukturellen Veränderungen ihre Konzeption angepasst. Sie bildet verstärkt da aus, wo zukünftiges Wachstum gesehen wird. Hervorzuheben sind dabei erstens spezielle Erzeugnisse, deren Einsatzbereiche von der Medizintechnik und der Physik bis hin zur Weltraumtechnik reichen. Zweitens, maschinell gefertigte Massenware im Bereich Flach- und Hohlglas, bei der Qualität und Design zählt. Und drittens das Kunsthandwerk.
 
Formen der Zusammenarbeit
 
Die Vorteile der Konzentration des Glasgewerbes v.a. im Zwieseler Winkel sind vielfältig. Zum einen strahlt das gute Image des Standortes auf alle Akteure aus. Zum anderen zeigen Aussagen wie "Alles, was man für Glas braucht, ist da." - die sich auf die hier ansässige Spezialisten und unterstützende Einrichtungen, die für Ratschläge zur Verfügung stehen, bezog - dass hier die besten Voraussetzungen für das Arbeiten mit Glas gegeben sind.
 
Werkstätten, die oftmals über keinen eigenen Glasofen verfügen, können zum Teil die Anlagen der Hütten nutzen. Zwischen kleinen Werkstätten und Ateliers besteht oftmals keine feste oder regelmäßige Zusammenarbeit, sie helfen sich aber bei Bedarf aus, tauschen ihr Wissen aus und nutzen zum Teil gegenseitig ihre Anlagen. Einige kleinere Handwerksbetriebe bauen Prototypen und Muster für große Unternehmen, die dann industriell in Serie gehen. Sie übernehmen auch Kleinserien und spezielle Aufträge und können aufgrund ihrer flexiblen Strukturen Sonderwünsche erfüllen.
 
Mit der Glasstraße und dem Gläsernen Winkel wurden Kooperationen zum gemeinsamen Marketing und Verkauf geschlossen. Dabei handelt es sich zwar in erster Linie um touristische Projekte, die aber auch zur Verfestigung einer gemeinsamen Identität beitragen. Zum ersten Mal im Jahr 2001 nahmen verschiedene Werkstätten und Ateliers am Weihnachtsmarkt in Chicago (USA) teil. Durch die vom Landratsamt Regen initiierte Reise bekamen auch kleine Betriebe die Möglichkeit, ihre Produkte in den Vereinigten Staaten, wo Glasprodukte aus dem Bayerischen Wald ausgesprochen beliebt sind, zu verkaufen.
 
Die Glasfachschule Zwiesel ist in Projekte mit der Wirtschaft eingebunden, so werden in den verschiedenen Klassen sowohl für die Glasindustrie als auch für andere Unternehmen Gläser und Objekte entworfen. Zahlreiche Glaskünstler und Fachleute aus Unternehmen sind ehemalige Schüler der Glasfachschule und erteilen nun Unterricht.
 
Eine interessante Zukunftsperspektive eröffnet sich durch das - von High-Tech-Offensive der Bayerischen Staatsregierung unterstützte - Projekt "Werkstoffverbunde und oberflächenveredelte Produkte aus Glas", abgekürzt WOPAG. Im Rahmen dieser Kooperation zur Grundlagenforschung suchen vier ostbayerische Glasunternehmen verschiedenster Ausrichtungen nach neuen Verfahren, die von allen Beteiligten nutzbar sein werden. Dies ist die erste derartige Kooperation in der Glasbranche.
 
Eine Zusammenarbeit bestand bis 2003 im Bereich "gedeckter Tisch" der Marke Esprit, für die Schott Zwiesel die Gläser herstellte, SKV Schirnding das Porzellan, Wilkens das Besteck und Home Decor Münchsberg die passende Tischwäsche. Zudem wurde das Lifestyle-Konzept des "gedeckten Tisches" firmen- und branchenübergreifend beworben. Engere organisatorische Zusammenschlüsse von Unternehmen aus dem Glas- und Porzellansektor wie z.B. Rosenthal und Nachtmann oder Hutschenreuther und Theresienthal haben in der Vergangenheit nicht funktioniert.
 
Verbindungen zu anderen Clustern
 
Einige Firmen in der weiteren Region stellen Sondermaschinen und Anlagen speziell zum Einsatz in der Glasindustrie her.
 
In der Region gibt es mit Flabeg einen Hersteller von technischem Glas, der Marktführer im Bereich Autospiegel ist.
 
Verbindungen zu Logistik und Spezialhandel ergeben sich über die auf Glasprodukte spezialisierten Versandunternehmen, zudem werden komplette Logistikanlagen und Lagersysteme aus der Region bezogen.
 
Die Informationstechnologie bietet Optimierungslösungen der Produktionsprozesse an. Rechnergestützte Methoden wie CAD und CAM werden zunehmend zur Erstellung von Prototypen und Vorproduktserien eingesetzt. Zudem existieren im Bayerischen Wald einige IT-Unternehmen, die spezielle Produkte wie Webseiten oder eShops für die Glasbranche erstellen.
 
Über das gemeinsame Marketingkonzepts des "gedeckten Tisches" und die teilweise gleiche Rohstoffbasis bestehen Verbindungen zum Porzellan.

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